Ralph Göstenmeier, Gudrun Rehn-Göstenmeier "Das Einsteigerseminar - Linux"; bhv; 416S., 19,80DM
Die bhv Reihe "Das Einsteigerseminar" wendet sich anscheinend stets an wirkliche Anfänger eines Themas. Man bekommt als erstes die Geschichte des Produkts nähergebracht bevor es ans "Eingemachte" geht.
Der Leser wird als erstes mit dem (Text)Login und der Paßwortänderung des Superusers (root) konfrontiert, danach darf er sich in der Verzeichnisstruktur zurechtfinden, Textdateien anlegen, ändern, anzeigen und löschen. Am Ende des zweiten Kapitels (Eins war die Historie) wird sich ordentlich ausgeloggt bzw. der Rechner sauber heruntergefahren.
Weiter geht es dann mit der Erklärung des Dateisystems: Struktur, Dateitypen, Dateisystemtyp (Linux beherrscht eine Reihe davon), Erstellung, Prüfen und Einhängen. Dann kommen häufig benutzte Editoren und bis zu diesem Punkt kann man das noch als Bereitstellen der wichtigsten Werkzeuge zum Umgang mit Linux bezeichnen.
Etwas tiefgreifender sind dann die Kapitel über Benutzerverwaltung, Prozesse, Shells, Kommandos, Netzwerk und X Windows (die graphische Oberfläche). Wichtig ist, daß es hierbei nicht um Installationshilfen geht, sondern um den Umgang mit einem laufenden System. Die letzten beiden Kapitel beinhalten dann einerseits eine Kurzübersicht über das, was man sonst noch so antreffen kann (Spiele, Desktopumgebungen, Entwicklungswerkzeuge etc.), und andererseits eine Anleitung für die (textbasierte) Installation der Distributionen von DLD und SuSE.
Jedes Kapitel wird von einer Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte und Fragen/Übungen abgeschlossen. Ich finde das Konzept gut, das Buch an sich ist genau das, was man nach einer Linux Installation in die Hände nehmen sollte, um sich zurechtzufinden aber noch nicht von zuviel Details erschlagen zu werden. Natürlich kommt man nicht umhin, in weitere und umfangreichere Bücher zu schauen, aber die Einsteigerseminare von bhv scheinen eine sehr gute Mischung aus Verständlichkeit, Umfang und Preis für den Anfänger darzustellen. Man sollte vielleicht noch erwähnen, daß manche Zahlenwerte extrem veraltet scheinen, z.B. die Größe der Swap Partition: 16MB oder Hauptspeicher plus 10%. Installiert man auf einem neuen Rechner heutzutage Linux, wird dieser mindestens 128MB RAM haben und dann ist 128MB Swap eine gute Wahl.
Thorsten Roßner "Das Einsteigerseminar - Perl"; bhv; 404S., 19,80DM
Wie auch andere Bücher der Reihe "Das Einsteigerseminar" beginnt das über Perl mit einer Historie zum Thema. Dann wird erläutert, wo man Perl herbekommt und installiert. Das sogar recht ausführlich, aber nur für Windows. Benutzer von Linux können das sofort überspringen, aber auch für diejenigen, die Perl auf dem OS aus Redmond einsetzen wollen, sollte das recht langweilig sein.
Danach geht's dann richtig los mit dem Programmieren, zunächst werden die einfachen Datentypen und Strukturen eingeführt, aber schon zwei Kapitel später geht der Autor dazu über, weitere Neuerungen im Zusammenhang zu einer Aufgabe ("Das Sortierprogramm", "HTML-Dateien updaten", "CGI-Textcounter" etc.) zu präsentieren. Im ganzen Buch wird dabei strukturiert und nicht objektorientiert gearbeitet, schließlich wendet sich das Buch an Programmier-Anfänger. Jedes Kapitel, von denen sich im übrigen 8 von 15 um CGI-Programmierungs-Aufgaben drehen, wird mit einer Zusammenfassung und ein paar Übungen abgeschlossen.
Für meinen Geschmack eignet sich das Buch gut für jemanden, der Perl lernen will. Natürlich baut man sich so erstmal nur eine Basis auf, weiteres Bücherwälzen und Selbstprobieren sind unbedingt erforderlich. Trotz der Anhänge mit den Perl Befehlen (ausführlicher als der Perl Quick Reference Guide, der mit Perl kommt)und den HTML Grundlagen würde ich sagen, dieses Buch arbeitet man einmal komplett durch und schaut nur dann Dinge nach, wenn man keine bessere Referenz gefunden hat (eine wirklich gute, die den besten Kompromiß zwischen Kompakt- und Vollständigkeit eingeht, habe ich noch nicht gefunden). D.h. sollte schon jemand das Buch gekauft haben, bietet es sich an, es nur auszuleihen. Aber immerhin wurden zwei für mich sehr interessante Beispiele - CGI-Gästebuch und Chat - vorgeführt.
Clinton Wong "Web-Client Programmierung mit Perl"; O'Reilly; 222S., 59,00DM
Wie man an dem halbwegs geringen Seitenumfang (übrigens das einzige, was ich an dem Buch kritisieren würde) schon merkt, muß man sich in diesem Buch nicht durch ellenlange Einleitungen über das Web, HTTP, Client/Server Konzept, Perl als komplette Sprache etc. durchkämpfen bevor es losgeht, da verweist der Autor einfach auf andere Quellen. Und wer mit diesen Begriffen bisher kaum vertraut ist, der hat eh das falsche Buch in den Händen...
Ein erster Blick hinter die Kulissen zeigt, was wirklich über die Leitung geschickt wird, wenn man eine URL im Browser eingibt oder anklickt. Soweit dürfte eigentlich schon jeder sein, aber spätestens, wenn man sofort im Anschluß selbst mittels 'telnet' Browser spielen darf, betritt man neues Terrain. Für einfachste Beispiele wird einem ein gesamter Client Request mit zugehörigem Server Response aufgezeigt, an dem man schnell sehen kann, wie das Prinzip funktioniert. Alle Methoden wie etwa GET, POST, HEAD etc. werden erklärt, die Unterschiede der HTTP Versionen 0.9, 1.0 und 1.1 aufgezeigt, mögliche Antwortcodes nach Gruppen der Art der Antwort aufgelistet (wer kennt auf Anhieb mehr als die berühmte 404?!) sowie mögliche Header und deren Verwendung vorgeführt.
Waren die Ausführungen bisher vom Prinzip her noch eher theoretisch, geht es dann an die Implementierung einfacher Tools anhand der Socket Bibliothek. Dazu wird das Socket Prinzip kurz vorgestellt, ein paar nützliche Funktionen definiert und anschließend Programme entwickelt, die z.B. Server Antworten auf einen Request im Klartext anzeigen oder Links aus einem Webdokument extrahieren
Ein weiteres Kapitel ist der LWP Bibliothek gewidmet, die einem die Handarbeit abnimmt und den direkten Kontakt mit Sockets erspart. Der Autor kaut nicht alle vorhandenen Klassen durch, sondern beschränkt sich auf die meistgenutzten, für die er die vorhandenen Funktionen erklärt. Dieses Kapitel ist mehr eine Referenz, der praktische Einsatz läßt aber auch nicht lange auf sich warten, wenn die Beispiele auf Socket Basis durch Verwendung von LWP wiederholt werden. Als erstes wirklich konkretes Beispiel wird ein Skript entwickelt, das regelmäßig auf den Federal Express Seiten im Web nachschaut, wie der Status eines versendeten Paketes ist. Diesem schließt sich ein Site Checker an, der eine angegebene Seite untersucht und rekursiv Informationen zu gefundenen Links ausgibt.
Das letzte Kapitel behandelt die Erstellung eines GUIs mittels Perl/Tk (welches selbst nicht erklärt sondern nur benutzt wird). Hier wird dann das FedEx Programm recycled, ein Frontend für ein Online Wörterbuch geschrieben sowie ein Programm, das regelmäßig eine Liste angegebener Hosts auf deren Erreichbarkeit überpüft (incl. Alarm, wenn mal ein Rechner nicht da ist). Danach folgt noch ein Anhang mit allen HTTP Headern und weiteren Referenztabellen.
Fazit: das Buch ist alleine schon interessant, wenn man ein bißchen verstehen will, wie HTTP funktioniert. Es zeigt anhand unterschiedlicher Beispiele, welche komfortablen Werkzeuge zur Verfügung stehen. Prinzipiell sollte man damit in der Lage sein, seine Aufgaben im Umgang mit dem Web automatisieren zu können. Ich finde nur, bei dem Preis hätte aber noch mindestens ein Beispiel mit der Kommandozeile und eins mit Perl/Tk drin sein können.