Meine Impressionen aus Eindhoven


Tja, da dieses Jahr das DOA vom Flugplatz auf die Kunsteisbahn von Eindhoven verlegt worden war und infolge dessen keine Autos aus das Festivalgelände durften, sind wohl viele Metalfans abgeschreckt worden. Dazu kam noch, daß es nur 30.000 Karten geben sollte und Gerüchte kursierten, daß das Festival in einer Halle stattfindet und der Campingbereich gute 5km vom Festivalgelände entfernt liegt. Wer auch immer diesen Müll in die Welt gesetzt hat, der sollte demnächst wohl besser mal seine Ohren waschen und die Kontaktlinsen putzen: nur das Skatefest war in der Halle und die 5km bezogen sich garantiert auf die Entfernung vom Bahnhof zum Festival... Wie dem auch sei, im Endeffekt bin ich zusammen mit meinem Kumpel Argent allein in Richtung Eindhoven aufgebrochen.
Und weil wir es nicht sooooo sonderlich weit haben bis Eindhoven, haben wir uns bringen lassen. Aber die Holländer sind ja nicht dumm: damit es vor dem eigentlichen Gelände nicht zu Massenstaus kommt, war nur der Weg zu einem auswärtigen Parkplatz (ganz in der Nähe des letztjährigen Geländes) ausgeschildert, wo man seine Karre gegen 25Gulden das Wochenende über hätte stehen lassen können. Leider funktionierte der Shuttleservice von dort aus nicht sonderlich gut (wir alle hatten so das Gefühl, daß nur ein einziger Bus hin- und herpendelte...), so daß wir noch länger als eine Stunde dort warten mußten. War aber auch nicht das Schlimmste, wir konnten immerhin schon mal die Biervorräte antesten. Und diese waren vorzüglich (ganz im Gegensatz zu den inzwischen schon pißwarmen Büchsen der restlichen Leute in der Schlange), kühlten wir unseren Vorrat schließlich mit Trockeneis (selbst am Sonntag Abend waren noch wenige Büchsen komplett gefroren). Neid hin, Neid her, wir wurden nicht niedergeschlagen und ausgeraubt, im Gegenteil, eine Menge der umstehenden Metaller war gut drauf, so daß die Zeit zwischen leeren Bierdosen, Cornflakes und vergossener Milch (!) einigermaßen gut rumging. Aber eigentlich hätte uns schon stutzig machen müssen, daß die Verantwortlichen einen Gang mit Bauzäunen aufgebaut hatten, durch den die wartenden Massen geschleust wurden, aber dazu später mehr...

Irgendwann sind wir dann doch im Bus gelandet, der uns ein ganz schönes Stück durch die Gegend gekurvt hat, bevor wir am Ort unseres Begehrens ankamen. Wir befürchteten schon, daß die Einlaßkontrollen streng durchgeführt und jeder Rucksack kontrolliert werden würde (ich erinnere mich noch an das Jahr, wo sie uns das Glas Nutella abgenommen haben), aber glücklicherweise hatte man ein einsehen und es ging schnell durch den Eingangsbereich. Wer weiß, vielleicht sind die früher Angekommenen wirklich noch gründlicher gefilzt worden, aber das sollte nicht unser Problem sein. Und schon wieder hätten wir stutzig werden müssen, denn es gab niemanden, der uns arme, bis zum Limit vollgepackten Ankömmlinge zu einem freien Bereich zum Zelten gelotst hätte. Merkwürdig, '95 mit ca. 120.000 Besuchern und Autos hatte das ganze doch noch prima funktioniert... Nach einigen Schritten ertönte jedoch eine bekannte Stimme hinter uns: es war einer von der Gruppe, die wir 1995 kennengelernt und seitdem auf jedem Dynamo wiedergetroffen haben. Und wie es der Zufall will war bei ihnen noch genau ein Zeltplatz frei! So sind wir dann zwar recht weit weg vom eigentlichen Festivalgelände und der Camp-Stage gelandet, andererseits lagen wir dafür ziemlich ruhig, fernab von überlaufenen Trampelpfaden und ohne Matsch, was man nicht hoch genug schätzen kann (was wir noch später sehen sollten).

Doch kommen wir langsam mal zu dem, worum es überhaupt an diesem Wochenende ging: die Bands. Leider haben wir Six Feet Under verpaßt, die schon um 15:20 auf die Bretter mußten. Selbst wenn wir nicht so unnütz am Parkplatz gestanden hätten, wär' das nichts geworden, wir waren auch so schon recht spät dran. Komisch übrigens, daß es dieses Jahr mit den größten Stau überhaupt gab, obwohl nur 30.000 Leute erwartet wurden und man mit der Karre in Eindhoven eh nichts hätte anfangen können. Ob es vielleicht daran liegt, daß die Holländer gerne Autobahnkreuze als Kreisverkehr mit Ampel (!) anlegen..? Das Restprogramm des Tages war dann aber nicht so sonderlich prall, so daß wir auch auf die Hellacopters verzichtet und uns lieber was mit unseren Zeltnachbarn unterhalten haben, wobei dann auch ausgiebig gespachtelt wurde (die ersten beiden Dosen Ravioli mußten dran glauben). Danach ging's dann langsam Richtung Campstage und Budengasse, schließlich muß man ja wissen, was so geboten wird. Am Stand von Samson gab's dann Zeitpläne für den Samstag, die auf den ersten Blick ein wenig wie Backstageausweise aussahen. So kam man sich kurzzeitig (denn irgendwann hatte echt jeder so ein Ding) etwas wichtig vor, aber praktisch war's allemal, vor allem, wenn man so ein schlechtes Gedächnis hat wie ich... Vor dem T-Shirt Stand befand sich eine kleinere Gruppe Metaller, die nach kurzem Zögern ("Hey, wieso redet keiner mit denen?!") als Iced Earth identifiziert wurden. Tja, erstmal nach Autogrammen anschnorren, aber dummerweise hatten wir nur unsere Eintrittskarten als Schriftstück zur Verfügung und außer einem roten Feinstrich-Edding (0,5 mm) war von den Merchandisern auch nichts zu organisieren. Das ist aber immer noch besser als gar nix. Jedenfalls denke ich, es war ein Fehler zuzugeben, daß wir uns eigentlich Pantera angucken wollten (spielten parallel zu Iced Earth), da wir die noch nie und IE schon zweimal gesehen hatte. Darauf mußte ich hoch und heilig versprechen, wenigstens zu ihrem Auftritt auf dem Wacken zu kommen. Das ist natürlich gebongt, ich hoffe mal, die Veranstalter in Schleswig Holstein beweisen auch mehr Feingefühl was die Aufteilung der Bands auf Bühnen und Zeiten angeht...
Zu guter Letzt haben wir uns dann des nachts noch zu Atrocity bewegt und ich muß sagen, es hat sich gelohnt. Da Argent & ich von der Band nur die "Werk 80" kennen, kam uns der Gig sehr entgegen, denn es wurden nur zwei ältere Stücke in die Setlist integriert, eins davon war mir aus unserer Stamm-Metal-Disco aber schon geläufig. Der andere Song jedenfalls ließ in mir jedenfalls nicht das Gefühl aufkommen, ich müsse mir das restliche Programm auch mal reinpfeifen; das war mir dann doch zuviel Krach. Negativ an dem Gig waren eigentlich nur zwei Typen, die so etwas wie ein "Platzrecht" zu verteidigen suchten. Ich kann einfach nicht verstehen, wie jemand ernsthaft bei einem Metal-Gig erwarten kann, ziemlich weit vorne stehen zu können ohne in den Moshpit zu geraten. Und schon gar nicht, warum sie sich gerade an mir so gestört haben (kann ich was dafür, daß die beiden einen Kopf kleiner waren und zeitweise nix sehen konnten?). So endete also der Freitag und wir trollten uns nach einem gelungenen Abschluß wieder in unser Zelt.

Wie beginnt man einen Tag auf einem Open Air? Richtig, erst Brot mit Käse und dann direkt eine Dose Gulaschsuppe nebst Gerstenkaltschale. Der Kochpott fing langsam schon an zu leiden, schließlich schleppt man keine komplette Spülausrüstung mit sich. Nach draußen stellen und hoffen, daß es regnet tut's auch...
Man hatte uns schon gewarnt, daß der Weg zur Hauptbühne ein langer und beschwerlicher sein würde, denn die Veranstalter hatten vor den Metal die Brücke gesetzt. Es handelte sich dabei um ein Konstrukt aus Metallgestängen und Holzplatten, daß jedem deutschen TÜV-Inspektor einen mittelschweren Herzinfarkt beschert hätte. Nicht nur, daß es nicht wirklich stabil aussah, die Seiten waren so steil, daß Auf- und Abstieg alles andere als angenehm waren. Und das alles nur (so jedenfalls mein Eindruck), damit ständig eine Zufahrt zum Backstagebereich offen war. Vor besagtem Bauwerk staute sich natürlich der Besucheransturm, so daß man ruhig 30 - 40min einkalkulieren konnte, wenn man sich eine Band ansehen wollte (glücklicherweise hatte man später auch mal Einsicht gezeigt und einen abgesperrten Gang an der Brücke vorbei geführt, der halt kurz geschlossen werden mußte, wenn ein Fahrzeug in oder aus dem Backstagebereich kam). Erstaunlich früh also machten wir uns schon auf den Weg, denn wir wollten ja auch den Rock-Hard-Stand suchen, an dem wir diverse andere Leute aus dem RH-Chat zu treffen gedachten. Diesen hatten wir schnell ausgemacht, doch war Hansi (der Online-Hexer des RH) noch nicht da. Dafür trafen wir dann auf Evi und Daniel aus der Schweiz (über 8 Stunden Tour mit dem Corsa von dort nach Eindhoven, Respekt!), die Argent anhand seines T-Shirts (vorne seine eMail-Adresse, hinten ein Screenshot vom RH-Chat-Login) identifizieren konnten. Nach einem netten Begrüßungsplausch, zu dem später auch Hansi stieß, machten wir noch einen Zettel, daß wir - und alle Chatter, die im Laufe des Tages noch vorbeikommen sollten - uns spätestens nach Rammstein wieder am Stand treffen wollten.
Doch dann war erstmal Metal angesagt, denn schließlich legten um 13:50 Hammerfall auf der Hauptbühne los. Und was für eine Stimmung zu so früher Stunde schon herrschte! Vielleicht sind Hammerfall nicht die routinierteste Liveband und vielleicht herrscht auch heilloses Gepose auf der Bühne, aber genau das war es doch, was den Gig so prima machte. Auch ohne ihr komplettes Album zu kennen hat die h Spaß gemacht und ich würde Hammerfall deutlich zu den Highlights dieses Jahres zählen. Witzigerweise waren Hammerfall im Dynamo-Programmheft wie folgt angekündigt: "They are without any doubt today's number one metal band in Germany and hopefully in Europe after DOA."! Dies muß wohl auch Sänger Joacim gelesen haben, denn in einer Ansage fragte er, ob man noch mehr Songs der "best German metal band from Sweden" hören wolle...
Danach waren dann Stuck Mojo dran, mit denen wir beide aber überhaupt nichts anfangen können (beim Song "Southern Pride" geht ja wenigstens die Musik, aber dieses Gerappe...), deshalb ging's direkt wieder zurück zum RH-Stand, denn bis zu Oomph! auf der Campstage hätten wir es eh nicht mehr rechtzeitig geschafft. An der Bude des Metalblättchens angekommen, hatten sich schon mehrere Online-Fanatiker eingetroffen: Alica, Babe, Dark Dirk, Evil Doc, Mona, NathaliE, Robs & Schnaxel (hoffentlich hab' ich jetzt keinen vergessen, sonst gibt's Haue). Da war natürlich einiges los und es sollte sich recht schnell herausstellen, daß doch der komplette Haufen aus lauter sympathischen Leuten besteht. Da wurde gefachsimpelt, aufgezählt, wer noch fehlt bzw. nur zum Wacken Open Air kommt, Verbesserungen des Online-Angebots an Hansi weitergegeben ("Mensch Hansi, wir brauchen unbedingt eine Stummschaltung im Chat, wenn da wieder so ein Spinner sein Unwesen treibt!") und das weitere Programm des Tages analysiert.
Gegen 16:00 machten sich Argent, Evi, Daniel und ich uns dann auf in Richtung In Flames, die um 16:20 im Zelt auftreten sollten. Vollkommen ungewohnt (für Pfingsten in den Niederlanden) war jedoch der Sonnenschein und die damit verbundene Hitze, so daß ich mich mit Evi am Rand des Zeltes aufhielt und sich nur die beiden anderen in das Gemenge wagten. Aber der "Rand des Geschehens" hatte auch was für sich: eine nette junge Dame trug tief-grüne Kontaktlinsen, die eigentlich jedes männliche Wesen mit einem Restbestand an Hormonen in ein sabberndes, geiferndes Etwas verwandeln dürften. Sowas sollte man zum Standard erklären... Nach Ende des Gigs kamen Argent & Daniel dann gut durchgeschwitzt und ziemlich begeistert wieder zurück, doch war klar, daß wir alle es nicht durchhalten würden, direkt im Anschluß die komplette Black Stage in Angriff zu nehmen. Wir trennten uns von den beiden Schweizern und beschlossen, auf Enslaved und Bewitched zu verzichten und stattdessen erstmal am Zelt ein paar Bier und Ravioli zu uns zu nehmen. Gut eine Stunde konnte wir uns dann noch ins Zelt legen und ausruhen (man wird schließlich nicht jünger *grins*), bevor wir uns aufrafften, um Covenant nicht zu verpassen. Um ehrlich zu sein habe ich selbst mit Black Metal nicht so sonderlich viel zu tun (außer mit Venom und Goddess of Desire [wegen der Musik, jawoll!] sieht's da mau aus), aber Argent ist voll der Fan. Trotzdem einigten wir uns darauf, uns nur neben das Zelt in die Sonne zu setzen, denn der Tag sollte ja noch ziemlich lang werden. Der Musik konnte man ja dennoch lauschen, auch wenn mir davon jetzt nicht so viel in Erinnerung geblieben ist (ist halt wirklich nicht so ganz mein Fall)...
Und weil's so schön war, gleich noch mehr von der schwarzen Metallerei: entgegen der Ankündigung im Programmheft, wurde die Deko für Emperor aufgebaut, die - wie man später erfahren sollte - mit Immortal den Headlinerposten getauscht hatten, um selbst noch was vom Festival (z.B. Rammstein) mitzubekommen. Und was dann kam, sorgte für kaltes Grausen in meinen Gehörwindungen! Der Sound war unter aller Kanone, wodurch die Schraddelei zu bloßer Geräuschkulisse verkam. Natürlich genau das richtige für mich... Immerhin war es eine Erfahrung, die ich nicht missen, aber auch nicht noch mal wiederholen will!
Tja, welcher Teufel hatte mich nur geritten, noch weiter auszuhalten und mir auch noch Immortal reinzutun?! Aufkeimender Masochismus? Gefallen am Martyrium? Was auch immer es war, ich bin ihm heute dankbar, denn Immortal wurden zu einem Highlight des ganzen Festival! Schon zu Beginn tat ich einen kleinen Seufzer der Erleichterung: es wurde kein Keyboard aufgebaut, ein untrügliches Zeichen dafür, daß mir das Schlimmste erspart bleibt. Zudem waren die drei Herren zünftig geschminkt und sorgten mit Extreme-Headbanging permanent für Augenschmaus und verzichteten glücklicherweise auf so alberne Spielereien mit Kunstblut. Diese Show war Metal pur, einfach dem Publikum die Songs vor den Latz rotzen und auf unnötigen Ballast verzichten. Das hätte ich mir vorher nie träumen lassen: ausgerechnet von der Blackstage mit dem Gefühl, eine der geilsten Bands des Festivals gesehen zu haben, wieder abzutrotten...

Gemütlich ging's dann Richtung Hauptbühne, wo schon seit einer halben Stunde Rammstein auf den Brettern standen. Aber was soll man groß zu Rammstein sagen?! Man muß neidlos zugestehen, daß sie einen kometenhaften Aufstieg hinter sich haben, aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, daß jetzt schon langsam der Abstieg folgt. Für meine Begriffe ist die Show zu sehr durchchoreographiert, hat man Rammstein einmal (oder gar mehrfach) gesehen, reicht das eigentlich. Zumal auch die Musik nicht soooo sonderlich abwechslungsreich ist (ich erinnere da an die Anspielung vom Donald Dark Orchester, Rammstein hätten nur ein Riff, das sich langsam doch etwas abnutzt). Normalerweise hätte ich mir bei "The Factory" (Campstage unter dem Motto Industrial und Future Sounds) doch lieber Misery Loves Co. angeschaut, die mir auf Platte und auch live bisher immer ganz gut gefallen haben. Weil aber nach Rammstein großes Chattertreffen angesagt war, blieben wir bis zum Ende von Rammstein und tigerten anschließend zum Rock-Hard-Stand. Leider war's dort leicht dunkel, so daß man den Gesprächspartner vor Augen kaum erkennen konnte. Aber das hat uns nicht davon abgehalten, solange weiterzuschwatzen bis uns ein Ordner unmißverständlich klarmachte, daß wir doch bitte das Festivalgelände verlassen sollten, da man beabsichtige dieses zu schließen. Also ging's auf zum Campingbereich, wo an der Bierbude noch mal schnell Nachschub für den Rest des Abends geholt wurde. Dann aber zerstreute sich der harte Kern in alle vier Himmelsrichtungen.
Trotzdem war natürlich noch nicht Schluß, schließlich wurde noch auf der Campstage gelärmt. Argent und ich beschlossen, dort noch mal nach dem Rechten zu sehen und kamen kurz vor Beginn des Junkie XL-Gigs an. Um's kurz zu machen: den Weg hätten wir uns sparen können, schließlich gab's so hypermodernes und angesagtes Rap/Dance/Scratch-Zeugs zu hören, das vielleicht was für Fans der neuen Prodigy-Gangart ist, nicht aber für uns zwei. Für knapp anderthalb Stunden ging's dann wieder zurück zum Zelt, wo wir es uns ein wenig gemütlich machten und eine kleine Stärkung einfuhren.
Um knapp halb drei war's dann soweit, jedwede Müdigkeit ans andere Ende der Welt zu verbannen. Wer es nicht von sich aus schaffte, der brauchte sich eigentlich nur ins Party-Zelt zu stellen und sich von Strapping Young Lad die Hirnwindungen ordentlich durchblasen zu lassen (gell, Schnaxel? *grins*)! SYL machen Krach, mächtigen Krach, der wie ein reinigendes Gewitter wirkt. Das war wohl den meisten der Anwesenden nicht so ganz bewußt... Jedenfalls habe ich selten so viele verblüffte Gesichter bei einem einzigen Auftritt gesehen. Ich schätze mal, die meisten hatten eine konsequente Weiterführung der Stilrichtung von Junkie XL erwartet (also fluffiges Chill Out), alldieweil im Info-Heft irgendwas von "outraging dance beats" (was ein Lacher!) stand. Spätestens nach 3 Songs jedoch befanden wir uns mehrere Meter weiter vorne als noch zu Beginn des Gig, dermaßen viele Leute suchten das Weite angesichts dieses Infernos, das da von den 4 Musikanten fabriziert wurde. Allein wie Gene Hoglan hinter seinem (erstaunlicherweise recht kleinen) Drumkit thronte und wie ein Derwisch die Kessel rührte war absolut göttlich, dazu noch der total durchgeknallte Kanadier am Mikro (modisch bewußt im kurzen Schlafanzug; oder so ähnlich...) und ich schwebte im 7. Metallerhimmel. Komischerweise kann man zu der Mucke von SYL eigentlich gar nicht richtig bangen und schon gar nicht mitwippen, man ist also gezwungen, sich das Schauspiel einfach nur ehrfürchtig anzuschauen. Aber auch das hat durchaus seine Reize angesichts der Grimassen des Herrn Townsend und dem zeitweiligen Parallel-Posing aller Saitenzupfer. Schade, daß das alles so schnell vorbeiging, auf jeden Fall war's ein krönender Abschluß für den Samstag, obwohl man danach eigentlich nicht direkt in die Koje gehen konnte, zu sehr klang das Gewitter im Kopf nach...

Den Sonntag ließen wir dann erstmal ruhig angehen, schließlich hatten wir bis kurz vor Drei Zeit, dann waren Dimmu Borgir auf der Mainstage dran. Hm, bevor ich mich jetzt erneut wiederholen muß mit meinem Black-Metal-Pamphlet: DB waren ganz nett, gaben optisch was her, aber haben mich bestimmt nicht bekehrt, meinen Musikgeschmack zu wechseln. Immerhin hab' ich von ihnen die meisten Fotos ;-)
Direkt im Anschluß spielten Kreator, die ich bis dato noch nicht live erleben durfte. Ich hatte schon große Befürchtungen, daß die Truppe zwischen 15:45 und 16:30 a) wegen der frühen Spielzeit nur vor wenig Publikum auftreten muß und b) wegen der kurzen Spielzeit keine allzu glückliche Songauswahl trifft. Aber in beiden Fällen wurde ich eines besseren belehrt. Es war wirklich einiges los vor der Bühne und meiner Meinung nach hätte die Band kaum eine bessere Setlist zusammenstellen können, da wirklich die ganze Schaffensperiode gut abgedeckt wurde. Klar, man kann bemängeln, daß mit "People of the Lie" ein absoluter Oberhammer fehlte, doch kann ich das durchaus verschmerzen, wenn die Band nicht auf Nummer sicher geht und einfach nur die absolut größten Hits runterdudelt (wie weiland Paradise Lost im Vorprogramm von Ozzy).

Dann kehrten wir der Mainstage für ca. 3 Stunden den Rücken und begaben uns daran, noch mal die Budengasse zu durchstöbern und anschließend die restlichen Vorräte zu dezimieren ("Es wird NICHTS mit zurückgeschleppt!"). Sonderlich viel verpaßt haben wir in der Zeit eh nicht, Coal Chamber und Life of Agony auf der MS und den Space Jam mit diversen Kiffercombos wollten wir uns sowieso nicht reinziehen, höchstens Cathedral wäre vielleicht einen Blick wert gewesen, aber schließlich fährt man ja nicht wegen der Musik zu so einem Open Air...
Dann standen aber die schwersten Entscheidungen auf dem Plan: Death und Pantera auf der Mainstage oder das Power Pack mit Tom Angelripper, Iced Earth und Blind Guardian? Also ich für meinen Teil habe Iced Earth schon zweimal live gesehen, außerdem sollten die drei letztgenannten Bands sowieso auch auf dem Wacken spielen, was ebenfalls auf unserem Festivalplan stand. Bei Death und Pantera dagegen weiß man ja nie so genau, ob man die noch mal zu Gesicht bekommt, vor allem Death sind eher wegen Tourabsagen bekannt. Also entschieden wir uns für Death, die als vorletzte Band das Festivalgelände unsicher machte. Aber wie sag' ich's jetzt dem Kinde? Es war wohl so ziemlich die falsche Entscheidung, nicht zu Onkel Tom gegangen zu sein. Wirklich mies waren Death natürlich nicht, aber die Musik ist mir irgendwie zu technisch, um mich live richtig begeistern zu können, zumal auf der Bühne fast Null Stageacting auszumachen war. Dazu kam noch, daß uns Chuck nach jedem Song vom Bühnenrand verschwand, um seine Klampfe nachzustimmen. Das zerstört irgendwie jedwede Atmosphäre, ist aber anscheinend nicht vermeidbar gewesen. Und um ganz ehrlich zu sein, fand ich den Sound total drucklos, eine Schande für eine Band, die ein komplettes Genre geprägt hat wie keine zweite.
Und auch Pantera kann man eigentlich als Enttäuschung bezeichnen, denn hier wurden die letzten Hoffnungen zerstört, daß Phil doch noch zu seiner alten Sangesform zurückfindet. Statt dessen gab's Gebrüll wie am Spieß und Brutal-Geriffe bis sich die Balken biegen. Das war genau der Grund, warum ich nach der "Far beyond driven" Pantera, was Platten angeht, abgeschrieben hatte. Ich würde diesen Output schon fast als Fehlkauf bezeichnen, vor allem wenn man sich die absolute Perle "Cowboys from Hell" dagegen anhört. Bezeichnend, daß die Jungs bei "Domination" eigentlich nur das mega-geniale Schlußriff gezockt haben, bei "Hollow" erst mit dem schnelleren Part eingestiegen sind und der Herr Anselmo die Vocals zu "This Love" einfach nicht hinbekommen hat. Letzteres kann natürlich auch von dem enormen Alkoholpegel herrühren, der schon weit vor dem Gig aufgebaut worden sein muß, denn mein erster Gedanke, als die Band die Bühne betrat, war "Mein Gott ist der Kerl dicht!". Andererseits war Phil dadurch ganz cremig unterwegs und für einige Scherzchen gut, von denen man aber nicht alle so gut verstehen konnte (Slang + Lallen = kannitverstaan). Dabei fragte er sein Publikum, ob denn auch alle brav bei Emperor waren. Er jedenfalls liebt diese Band, was mich zu dem Schluß verleitete, daß der Mann die letzten Tage mit der Whisky-Pulle am Tropf geschlafen haben muß. Sei's drum, immerhin hab' ich Pantera jetzt mal live gesehen auch wenn ich das am besten direkt nach dem Release der "Vulgar ..." gemacht hätte.
Wieder ging das große Rennen los, ich möchte nicht wissen, wieviele Kilometer ich schon zwischen der Main- und der Campstage zurückgelegt habe. Einen letzten Rest von Blind Guardian konnten wir noch erhaschen, aber da ich überhaupt nicht mit deren Material vertraut bin, möchte ich mir hier kein Urteil erlauben, zumal wir wieder mal nur von der an das Zelt grenzenden Wiese (oder was noch davon übrig war) lauschten. Und weil drei Tage Open Air schon etwas schlauchen (zum ersten Mal hatten wir ja den ganzen Kram schleppen müssen), war Relaxen im Zelt angesagt. Aber mit dem Gefühl, daß die letzte von uns betrachtete Band des Events nicht so prall war, wollten wir uns nicht zufrieden geben. Und da wir wußten, daß ein beträchtlicher Teil der Chatter schon ganz heiß auf das Power Package war, sind wir dann doch noch mal losgegangen.
Und wie es der Teufel wollte, trafen wir auch prompt Schnaxel und Konsorten vor dem Party-Zelt. Und ich muß sagen, es hat sich tierisch gelohnt, noch nicht den Schlafsack von innen zu besuchen! In der Pause zwischen Saxon und Helloween haben wir uns prima unterhalten und lustig rumgeblödelt, aber als dann Helloween endlich loslegten, war Holland in Not. Zwar sind die meisten, mit denen wir zusammengesessen haben, vor die Bühne gegangen, aber zwei ganz lustige Gesellen zogen es vor, den Auftritt außerhalb des Zeltes zu genießen. Wobei "genießen" hier alles andere als passiv gemeint ist. Zunächst moshten die zwei nur ein bißchen mit der Musik mit, aber dann wurde es immer wilder: nach "brothers in mind" suchend versuchten sie alle im Umkreis von 10m Sitzenden zum Mitmachen zu animieren. Das stieß dann aber eher auf wenig Gegenliebe, nicht wenige verlegten ihren Sitzplatz prophylaktisch um ein paar Meter. Wegen des offensichtlich schon genossenen Bieres stolperte einer dann zufällig über ein hilfloses Opfer, nur um dann festzustellen, daß sowas doch eigentlich auch viel Spaß macht. Laut "Metal" brüllend warfen sich die beiden dann auf alles, was nicht schnell genug auf den Bäumen war. Auch eine Art der Kontaktaufnahme... Leider hatte niemand eine Videokamera zur Hand, das muß man einfach gesehen haben, in Worte gekleidet ist die ganze Angelegenheit nur halb so lustig wie live und in Farbe. Entwarnung wurde dann erst gegeben, als ein Kumpel mit einem weiteren Sixpack Bier anrückte. Das sorgte für wilde Verbrüderungsszenen, aber anschließend auch für ein bißchen Ruhe (auch wenn die erste Büchse mehr zum Duschen als zum Trinken gut war). Tja, leid tut's mir ein bißchen um Helloween, von denen wir vor lauter Lachen so gut wie nichts mehr registriert haben, aber am Jubel der Fans konnte man erkennen, daß es doch ein toller Gig gewesen sein muß...

Das war auch schon der musikalische Teil dieses Dynamo-Reports. Trotzdem bleibt noch einiges zu sagen. Es geht um den sich jährlich steigernden Vandalismus. Zwar wurde dieses Mal darauf verzichtet, das große Partyzelt anzuzünden, dafür waren aber sämtliche Abfallcontainer dran, die zudem noch mit allem, was sich finden ließ, die ganze Nacht über Rattamahatta-technisch bearbeitet wurden. Zu unserem Glück hatten wir einen extrem am Rand liegenden Zeltplatz, so daß es mit dem Krach eigentlich ging, wir vor allem aber außer Gefahr waren was das Abbrennen unseres Zeltes anbelangte. Wie in den einschlägigen Metalmagazinen und Diskussionsforen im Internet nachzulesen war, mußten nicht wenige Leute ihr Zelt überhastet mitten in der Nacht abbrechen, weil sie sonst Opfer der Flammen geworden wären. Am Sonntag kamen dann noch überall kleinere Feuer hinzu, da offensichtlich ein Großteil der Leute es für praktisch hält, alles, was nicht mehr mitgeschleppt werden soll, direkt an Ort und Stelle zu verbrennen. Unnötig zu sagen, daß ein recht unangenehmer Gestank von verbranntem Plastik in der Luft lag und mancher Müll in den Flammen erst richtig platzte, was die Dinger recht unberechenbar machte. Also ich muß ganz klar sagen: mich würde es nicht wundern, wenn es im nächsten Jahr kein Dynamo-Open-Air mehr gibt. Nach letztem Jahr scheint ja niemand dazugelernt haben, außerdem kann man so einige Sachen nicht mehr damit abtun, daß "sowas bei sovielen Leuten einfach passiert". Der Vorplatz vor dem Eisstadion war jedenfalls ein Ort mutwilligster Zerstörung, da kann man nicht mehr viel schönreden. Und was ist die Moral von der Geschichte? Wegen irgendwelchen dämlichen Randalierern müssen wohl bald alle auf ihren Spaß verzichten...


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© 1998 The_One_Brack@Bigfoot.Com Diese Seite stellt keine Meinungsäußerung der RWTH Aachen dar! Last updated: 11-Sep-1998