Metal am Pfingstwochenende

Freitag

Dieses Jahr muß ich wohl direkt mit etwas Negativem anfangen: die Anreise. Es hieß im Vorfeld, daß man dieses Jahr wieder mit dem eigenen Wagen kommen kann, der dann auf einem Parkplatz bleibt während man mit Shuttlebussen zum Campinggelände gebracht wird. Nun, im Jahr davor gab es auch einen Parkplatz mit Shuttleservice, das hat einigermaßen funktioniert, wobei man die Strecke aber auch halbwegs gut zu Fuß laufen konnte. Doch nicht so 1999... Die Strecke vom Parkplatz zum Campinggelände war lang, SEHR lang. Also war großes Warten angesagt, mehrere Stunden um genau zu sein. Es waren einfach zu wenig Busse da, ganz zu schweigen davon, daß diese rückwärts (!), ohne Absperrung (!!) in die wartende Menge setzen mußten. Was da hätte passieren können, kann sich wohl jeder denken, ein Glück nur, daß alle erstaunlich ruhig geblieben sind (abgesehen davon, daß einmal ein Bullenauto mitten durch die Leute fahren wollte...). Jedenfalls war von vorneherein klar, daß wir nicht alle Klamotten auf einmal in die Busse bekommen würden, also zunächst nur die Sachen gepackt, die entweder wichtig (z.B. Zelt) oder leicht zu transportieren waren (Rucksäcke). Später bei der zweiten Tour sollte sich dann herausstellen, daß es zwei Parkplätze gab, wovon vorher natürlich kaum jemand wußte. Ich denke mal, es gibt genug Leute, die nicht zufällig mitgekriegt haben, daß an ihrem Shuttlebus entweder "P1" oder "P2" stand. Wir hatten Glück und sind am richtigen gelandet, haben danach aber ein Taxi (Kleinbus) genommen, da wir nicht schon wieder in der Schlange stehen wollten. Das kostete 10 Gulden pro Nase und der Typ ist ganz anders gefahren als die offiziellen Busse, nämlich irgendwie viel kürzer, wo ausgewachsene Busse nicht durchkommen. Die Strecke des Shuttleservices war eh der Witz: im großen Bogen, über die Autobahn und kurz vor dem eigentlichen Gelände kreuzte noch eine Bahnlinie die Straße. Muß wohl eine Hauptverkehrsstrecke gewesen sein, alle naslang kamen Züge, was den Transfer der Open Air Fans noch zusätzlich behinderte. Fazit: Shuttleservice 6, setzen!
Aber auch nachdem man aus den Bussen raus war, ging es fröhlich weiter mit dem Ärger. Wenn man wie wir mit 9 Autos unterwegs ist, hat man ein paar Problemchen mehr als eine kleinere Gruppe. Alle Leute beisammen zu halten war nahezu unmöglich. Daß wir auf mehrere Busse verteilt werden würden war klar und an sich solange nicht schlimm, wie sie alle zum GLEICHEN Eingang fahren. Aber Pustekuchen, ein paar mußten ihren Krempel dann auch noch vom zweiten zum Haupteingang schleppen. Nach einiger Zeit des Sammelns fehlten immer noch zwei Leute. Also machten sich ein paar von uns mit den Zelten auf, damit wenigstens alle beieinander zelten konnten. Der Rest blieb zurück und paßte auf den anderen Krempel auf. Das Anstehen vor dem Einlaß zum Campinggelände war zwar immer noch sehr lange, im Gegensatz zu der Tortur mit den Bussen aber fast vernachlässigbar. Dafür daß sich das Haupteingang schimpfte, gab es mächtig wenige "Schleusen" und teilweise nahmen es die Ordner etwas zu genau mit dem Durchsuchen der Klamotten, uns haben sie z.B. den Hammer für die Heringe abgenommen, weil der angeblich zu groß und damit zu gefährlich war! Ich möchte nicht wissen, womit manche "Zirkuszelte" auf dem Gelände aufgebaut wurden, bei so fetten Heringen hätte man selbst mit unserem Hammer nicht viel reißen können. So blieb uns ein Hammer für alle Zelte, die wir um kurz nach 16:00 aufbauen konnten, nachdem wir schon um 11:00 (!) auf dem Parkplatz waren... Irgendwie hatten es dann doch alle geschafft mit sämtlichen Sachen aufs Gelände zu kommen (zum Glück wurde darauf verzichtet, nach Verlassen und Wiederbetreten das Mitführen von Alkohol zu verbieten, wie es auf einem Infoblatt stand... ein bißchen Logik war also doch noch vorhanden, wer schleppt schon das Bier auf seinen Zeltplatz und holt erst anschließend das Zelt??!) und das soll eigentlich schon reichen an Kritik. Wer mehr erfahren will, der sollte sich unbedingt das Festival Forum in der Sitzecke der Rock Hard durchlesen, da gibt's noch mehr "Pannen" zu lesen.

Doch nun zum musikalischen Teil des Freitags, welcher erst um 22:20 mit Sodom beginnen sollte. Nicht, daß ich jetzt großer Fan von Sodom wäre, doch die Gelegenheit, die Jungs mal live zu erleben, wollte ich mir dann doch nicht entgehen lassen. Insgesamt finde ich ihre Songs ein wenig zu simpel gestrickt und die meisten hören sich doch recht ähnlich an (genau wie andere Bands haben Sodom wohl gerade mal 3 verschiedene Songs geschrieben *grins*). Nichtsdestoweniger war immer noch gut Stimmung in der Bude bzw. dem Zelt, was wohl auch zu einem großen Teil an den Entertainerqualitäten des Herrn Angelripper liegen dürfte. Nun gut, nach Schalker Fans zu fragen und damit so zu tun als seien keine Holländer da, ist vielleicht was übertrieben, aber der Vorschlag, sich mit alle Mann am Samstag einen zu heben und am Sonntag zusammen Metallica zu schauen, war ganz witzig ;-) Logischerweise gab's daraufhin ein dickes Pfeifkonzert, denn die Leute, die am Sonntag Metallica bejubeln würden, waren garantiert nicht bei Sodom im Zelt zu finden. Fazit: für meine Bedürfnisse hätte Onkel Tom mehr von seinen Trinkliedern zum besten geben können, aber das gab's ja schon letztes Jahr (hab' ich aber nicht gesehen) und immerhin wurde noch 'Aber bitte mit Sahne' geboten.
Etwa eine halbe Stunde später waren dann Lacuna Coil an der Reihe, die ich von der Rock Hard CD her kenne. Und 'My Wings' hatte mich schon neugierig gemacht. Wie sich aber herausstellen sollte, war das der einzige Song, bei dem der männliche Sangesknecht wirklich gegrunzt hat, das hätte er für meine Begriffe die ganze Zeit tun sollen. Jetzt werden bestimmt einige aufschreien und sagen, daß ich sonst immer über Bands mit Frauengesäusel und Männergrunzen gemotzt habe. Das stimmt auch weiterhin, bisher haben mir diese beidergeschlechtlichen Paarungen nicht gefallen, Lacuna Coil stellen die z.Z. einzige Ausnahme dar. Was man aber schon von mehreren Stellen hören konnte, nämlich daß die Truppe noch an ihrer Live Performance arbeiten muß, kann ich nur bestätigen. Dabei geht's aber nicht um das Handwerkliche, sondern mehr um die optische Präsentation: außer dem Sänger/Sängerin-Duo bewegt sich eigentlich kaum jemand vom Fleck (auch wenn die beiden Gitarristen ab und zu die Matte schwingen), wobei das, was Sänger Andrea da veranstaltet, reichlich unbeholfen aussieht und mich irgendwie an die Gewichthebernummer des Pantomimen Michel Courtemanche erinnert... Außerdem passen die Musikanten vom Outfit her nicht so richtig zusammen: den einen Gitarristen würde ich mir z.B. auch bei Moonspell vorstellen können, den Basser bei Coal Chamber und der andere Gitarrist geht als Dimebag Darrel Lookalike durch, nur mit weniger Tattoos und ungefärbtem Bart. Das entscheidet aber bestimmt nicht darüber, ob eine Band gut ist oder nicht.
Und dann kam das vorzeitige Aus für mich. Das ganze Rumstehen in der Sonne ist mir wohl nicht bekommen und irgendwie hatte ich das Gefühl, kurz vor einem Sonnenstich zu stehen: Kopfschmerzen, Übelkeit und alles an Haut rot, was irgendwie nicht von Klamotten bedeckt war. Beim besten Willen konnte ich mir Anathema und Therion nicht mehr angucken, obwohl ich da gerne mal 'nen Blick riskiert hätte, zumal nachher auch jeder sagte, beide Bands seien echt geil gewesen. So war ich also der erste, der im Zelt lag und glücklicherweise hatten die anderen 5 ein Einsehen mit mir und haben mich - per Ohropax von der Außenwelt abgeschnitten - pennen lassen. Dafür kann ich ihnen echt dankbar sein.

 

Samstag

Die gute Mütze voller Schlaf hat wirklich gutgetan, so konnte ich mich also daranmachen, meine Palette Bier in Angriff zu nehmen, von der ich am Tag vorher schon dachte, die geht mehr als halbvoll wieder mit zurück. In aller Ruhe also gefrühstückt, denn als erstes an diesem Tage standen The Haunted um 13:40 auf dem Programm. Wie bei so ziemlich jeder Band des diesjährigen Dynamos (d.h. die, die ich mir angesehen habe) gehört die Truppe zu der Gattung der "Kenn' ich nur vom Namen"- oder "Hab' ich erst ganz wenige Songs von gehört"-Bands. Nur 4 der 12 gesehenen Bands höre ich mir auch zuhause an, d.h. zu den jeweiligen Songauswahlen kann ich meist nix sagen, da ich einfach mit dem Material nicht vertraut bin. So auch bei The Haunted, bei denen ehemalige Mitglieder von At the Gates in Lohn und Brot stehen. Von eben dieser Band forderte ein offensichtlich großer Fan neben mir bei jeder Pause zwischen 2 Songs irgendwas von seinen nun nicht mehr existenten Helden. Die Bitten wurden dann auch beim letzten Song erhört, der Typ ließ seine Haare ein paar Umdrehungen in einem Affentempo machen bevor er dann wie von der Tarantel gestochen in Richtung Bühne stürmte. Wenn das mehrere gemacht haben, dann wurd's in der ersten Reihe mächtig eng...
Morbid Angel wären eigentlich der Headliner der 'Gore Zone', so das Motto der Zeltbühne am Samstag Nachmittag, gewesen, doch wurde ihr Gig aus mir bisher unbekannten Gründen gecancelled, so daß um 17:25 nicht Hypocrisy sondern Arch Enemy dran waren. Gigs von Arch Enemy haben mir bisher noch immer gefallen auch wenn ich erst auf eine Statistik von 2 Auftritten (DOA99 und Wacken 98) zurückgreifen kann. Die Jungs machten auf jeden Fall recht gute Stimmung und die Mucke kommt gut rüber. Leider sind meine Fotos nix geworden und irgendwie fehlt auch ein bißchen die Erinnerung |-{
Den verwaisten Headlinerposten sollten dann Hypocrisy übernehmen (wobei mich eh gewundert hatte, daß die ursprünglich nach Cryptopsy hätten auftrten sollen), doch bis dahin gab's ca. 90min zu überbrücken, also sind wir mit Sack und Pack in Richtung Hauptbühne gezogen, wo wir erstmal am Rock Hard Stand vorbeigeschaut haben. Da war's dann aber schon kurz nach 18:00 und das Chattertreffen (wie ein Zettel an der Bude verkündete) war schon vorbei. Getroffen hab' ich dann aber doch noch einige, von denen ich teilweise schon welche vom letzten Jahr kannte, bei anderen war es aber quasi eine Premiere, sich zum ersten Mal in Fleisch und Blut gegenüber zu stehen. Die Hauptbühne hatte zu dem Zeitpunkt schon knapp eine halbe Stunde Verspätung, so daß wir uns The Gathering nicht bis zum Schluß anhören konnten. Das war aber für mich halb so wild. Außer mir sind alle ziemlich verrückt nach der Truppe, meine Ablehnung kommt in erster Linie daher, daß Anneke's Gesangsstil viiiiel zu langgezogen ist. Kann ich mir mal anhören, aber eine komplette CD-Distanz halte ich kaum aus. Beim Gig hatte mich gewundert, daß die Bühne dieses Jahr unheimlich hoch war. All die Jahre war ein weiterer Vorteil des Dynamo gegenüber anderen Open Airs, die im Fernsehen (teilweise) übertragen wurden (also Rock am Ring, Bizarre), daß man in Holland eigentlich noch halbwegs Kontakt zu den Bands hatte, doch dies war heuer leider nicht mehr der Fall. Überhaupt hatten bis zu diesem Zeitpunkt schon alle die mangelnde Stimmung vor der Hauptbühne beklagt und ich denke, das hat viel mit der großen Distanz zu tun.
Doch dann ging es zurück ins Zelt und damit zu Hypocrisy, die dem geerbten Headlinerstatus der Death Metal Bühne sowas von gerecht wurden, daß ich mich frage, wie man die Jungs ursprünglich mit 20min weniger abspeisen lassen wollen konnte (was ein Wortungetüm)! Ich habe danach keine einzige Band mehr gesehen, die nochmal eine solche Atmosphäre hingekriegt hat. Die Meute hat den Herrn Tätgren mehrmals während Songpausen nicht zu Wort kommen lassen, die Ankündigung des nächsten Songs wäre sicher nicht zu hören gewesen. Einmal sogar hielt der Jubel für mehrere Minuten an, der Mastermind bekam eine fette Gänsehaut und bedankte sich anschließend mit den Worten, daß ein solches Publikum der Grund sei, überhaupt ein Instrument zu erlernen, daß man nach vielen Proben auf einer Bühne stehen kann und so dafür belohnt wird. Es bildete sich folgerichtig ein mächtiger Moshpit, der sich zeitweilig bis kurz vor's Mischpult erstreckte. Nach einer ewig langen Pause (um genau zu sein, seit Atrocity auf dem DOA98) sah ich mich dazu genötigt, selbst nochmal vorne mitzumischen, ich denke mal, das sagt genug über den totalen Wahnsinn aus, der sich im Zelt breitmachte.
Damit war der Samstag schon fast gelaufen, Manowar hat sich von uns keiner angesehen, aber hören konnte man es eh noch an unserem Zelt *grins* Zu später Stunde bin ich dann aber doch nochmal losgetigert, denn die Ankündigung im Dynamoheft und die Aussagen eines Chatters hatten mich neugierig auf Atari Teenage Riot und Cubanate gemacht. Wobei erstere für mich ein Reinfall erster Kajüte waren! Tut mir leid, für meine Begriffe produzieren ATR nur unstrukturierten Krach. Einer thront hinten zwischen seinen elektrischen Geräten und 3 Schreihälse/Hupfdohlen hampeln auf der ansonsten total leeren Bühne rum und krakeelen, was das Zeug hält. Vielleicht lag's an meinem großen Abstand, aber bis auf das 'Bumm', daß bei keiner Elektroband fehlt, meine ich, nur unerträgliche Höhen mitbekommen zu haben. Glücklicherweise hatte die 'Parkhofstraße' (d.h. die Budengasse; interne Bezeichnung nach einer Einkaufsstraße in unserer Heimat) noch auf, so daß ich mir die Zeit bis zu Cubanate mit einem gemütlichen Schlendern entlang der Auslagen vertrieben habe.
Bei der Umbaupause, die sich anschloß, gab's aber schon ein paar gute Anzeichen, daß sich das Warten lohnen würde, denn erstens änderte sich die Musik vom Band von stumpfem Techno zu mehr Banger-kompatiblen Mucke und zweitens wurde ein echtes Drumkit aufgebaut, daß zwar aus irgendwelchen Kessel, Milchkannen und sonstigem Küchengerät zu bestehen schien, dennoch aber die Hoffnung weckte, was knalliges vor dem Schlafengehen präsentiert zu bekommen. Und so war es dann auch, die Mucke, die der Fünfer produzierte, war echt amtlich, irgendwie hart und tanzbar. Zudem gesellte sich noch an angenehmes Stageacting von Sänger, 2 Gitarristen, dem Synthie-Mann und dem Schlagwerker, der mich irgendwie an Animal aus der Muppet Show erinnerte, zumindest, was die Zotteln und das Hampeln angeht. Selbiger trat dann auch ein paarmal zu einer Showeinlage nach vorne, um ein wenig mit Funken rumzusauen. Aber nicht etwa wie Rammstein oder Kiss (irgendwo aus Anzügen oder Instrumenten), sondern noch richtig schön handgemacht mit der Flex und einem Metallrohr. Ein bißchen vom guten Eindruck -für meinen Geschmack - haben die Jungs dann gegen Ende wieder verspielt, als doch so drei Songs mit Breakbeat-Einlagen aufwarteten, die ich auf den Tod nicht ausstehen kann. Trotzdem stehen Cubanate auf meiner Liste ganz oben, wenn ich wieder Geld habe, um mir neue CDs zu kaufen.
Erwartungsgemäß war keiner mehr wach, als ich zurückkam, aber so konnte ich mir wenigstens direkt wieder was Schlaf gönnen.

 

Sonntag

Wieder mal sollte der Tag recht gemütlich anfangen, weil auch am Sonntag die erste interessante Band erst gegen Nachmittag anfing. An sich hätte man sich auch mal Mercyful Fate angucken können, damit man später behaupten könnte, die nicht unbekannte Truppe auch schon mal live gesehen zu haben. Von dieser Idee war aber keiner so richtig angetan, so daß wir uns nochmal der Einkaufspassage widmen konnten. Dort trafen wir auf einige Bekannte aus unserer direkten Umgebung, die wir dann auch mal an ihren Zelten besucht haben.
Somit startet die musikalische Berichterstattung des letzten Dynamo-Tages mit Monster Magnet, die um 15:15 auf der Hauptbühne auf die Menge losgelassen wurden. Nun, "losgelassen worden" ist vielleicht gar nicht mal so verkehrt, denn Oberrocker Dave Wyndorf war extrem gut drauf und hat eine prächtige Show abgeliefert. Wie gesagt, mit einer tieferen Bühne wie in den letzten Jahren wäre der gute Mann bestimmt mehr auf Tuchfühlung zum Publikum gegangen. So mußte er sich mit Rumrutschen/Hinknien/Rumspringen "begnügen". Göttlich auf jeden Fall auch die Ansagen - ach, was sage ich - die Befehle zur totalen Party: vor 'Bummer' z.B. gab's zu hören, daß "dieser Rhythmus nur zu einem einzigen Zwecke geschrieben wurde." Damit meinte er (vollkommen logischerweise *grins*) die Situation, wenn "man eine Frau von hinten nimmt." Diese Aussage trifft meiner Meinung nach vollkommen auf die gesamte Musik von Monster Magnet zu, obwohl das die meisten anderen Anwesenden wohl nicht so sahen und kaum Stimmung machten. Sehr schade eigentlich, denn die knappe Stunde Spielzeit war nur so gespickt mit Hits vom Kaliber 'Dopes to Infinity', 'Crop Circle', 'Negasonic Teenage Warhead' und 'Powertrip', das ja immerhin der Song mit der wichtigsten Aussage überhaupt ist: "I'm never gonna work another day in my life!" ;-). Tja, es lag wohl wirklich an der unkultigen Hauptbühne und vielleicht sogar daran, daß das Dynamo inzwischen auch genug für den "Freizeit Heavy" bietet, denn genug Nasen machten den Eindruck, "harte" Musik höchstens aus Diskotheken und dem Radio zu kennen, was sich auch daran zeigte, daß bei der Single-Auskopplung 'Space Lord' plötzlich doch fast alle in die Gänge kamen.
Anderthalb Stunden hab' ich mir danach freigenommen, denn anschließend wollte ich mir 3 Bands am Stück auf der Hauptbühne anschauen (ich gebe ja zu, daß Metallica auf der Liste standen, obwohl ich mir da nicht so unheimlich viel von versprochen habe) und die erste davon war Fear Factory. Ich hatte leider meine Leute, die sich zwischenzeitlich teilweise God Dethroned im Zelt angeguckt haben, nicht wiedergefunden, so daß ich mich mehr am rechten Rand des Geländes aufgehalten habe. So konnte ich zwar nicht das Weiße in den Augen des 4 Musiker erblicken, aber auch so reichte es schon, denn das Quartett bot wieder einmal eine töfte Leistung. Was das Musikalische angeht, bin ich immer wieder erstaunt, wie präzise Drummer Raymond Herreira seine Stöcke schwingt. Und so wie ich das sehe, leben Fear Factory zu einem großen Teil von diesem soliden Teppich, ohne dabei die Leistung der anderen dadurch schmälern zu wollen. Gab es schon mal den Kritikpunkt, daß Sänger Burton nicht bei jeder Show stimmlich 100% das Wechselspiel zwischen "Engelsgesang" und "Zu-Tode-Brüllerei" hinbekommt, konnte bei diesem Gig überhaupt nicht die Rede davon sein! Ganz im Gegenteil war das von 3 FF-Konzerten, die ich bisher gesehen habe, die reifeste Sangesleistung. Untermauert wurde das Ganze schlußendlich noch von einem großen Aktionsradius aller Beteiligten (wenn man mal von den "Ortsgebundenen", d.h. Drummer und Live-Keyboarder, absieht). Einfach professionell.
Ein wenig in die Hose gegangen ist das Experiment mit den Finnen von Apocalyptica direkt vor Metallica. Denn einerseits kommen eine Handvoll Cellisten auf so einer großen Bühne nicht sonderlich gut rüber und zweitens war's schneller vorbei als man gucken konnte, denn es standen den sympathischen Jungs nur knapp 30min zur Verfügung. Logisch, daß dann nicht so sehr eigenes und Non-Metallica-Material gebracht wurde. Wie gerne hätte ich noch 'One', 'From out of Nowhere' oder gar 'Domination' gehört, denn letzteres knallt in der "klassischen" Version nochmal so gut wie in der Originalform von Pantera. Und von dem Druck, den man mit einem Cello erzeugen kann, waren nicht wenige im Publikum sehr überrascht, d.h. die Truppe ist wohl doch nicht so bekannt, hat aber bestimmt nach diesem Auftritt neue Anhänger gefunden. Trotzdem schaut man sich das Quartett besser in kleinen Hallen an, wo das Publikum dann mehr Bewegung an den Tag legt als nur beeindrucktes Starren auf die Bühne.
Und danach war dann Zeit für den Headliner. Um genau zu sein etwa 2 Stunden. Aber irgendwie weiß ich nicht so genau, was ich über Metallica schreiben soll. Ich hab' mir das Spiel vielleicht 30min auf Höhe des Mischpultes angeguckt und mich dann verzogen. Es hat einfach keinen Spaß gemacht! Gut, es gab schon eine ganze Reihe "alter Sachen" zu hören, aber - wie befürchtet - wurde die "...and justice for all" nur mit einem Song bedacht: "One" logischerweise, das sie immerhin bis zum Ende durchgespielt haben. Das war dann aber auch schon fast alles, denn der Gesang von James Hetfield war eine einzige, zahnlose Katastrophe. Alle Klassiker klangen vollkommen verhunzt, es hat total der Biß gefehlt. Dazu sahen die 4 Herren auf der Bühne ziemlich verloren aus und überhaupt war die Bühne eigentlich nur leer und langweilig. Komisch, daß es Venom vor zwei Jahren mit 3 Mann geschafft haben, den Platz auszufüllen... Absolut daneben fand ich dann die "Soloauftritte" von Hammet, Newsted und Hetfield, die teilweise irgendwelche Soli oder Medleys aus eigenen Stücken gespielt haben. Das ist einfach nur künstliches Strecken der Spieldauer und vollkommen überflüssig! So ähnlich dachten dann wohl auch mehrere, denn als ich mich zum Rock Hard Stand zurückgezogen habe, waren dort eine ganze Reihe Chatter versammelt, die im großen und ganzen dieselben Kritikpunkte hatten. Lustig geworden ist es mit den Leuten dann aber doch noch, spätestens als ein Mitglied der japanischen Formation Loudness vorbeikam und sich sichtlich über diesen bekloppten Haufen Chatter (rumspringend, posend, bangend, unabhängig vom Headliner gute Laune machend) wunderte. Nachdem er erstmal erkannt war, mußte er sofort für einige Fotos herhalten. Noch besser aber war, daß der Typ permanent einen Schergen mit Digitalkamera im Schlepptau hatte. Wer weiß, vielleicht werden wir alle noch im japanischen Fernsehen berühmt *grins*. Nachdem dann alles vorbei war, ging's zurück zum Zelt, wo man mich schon für einen Verräter hielt, da ich es so lange bei Metallica ausgehalten hatte. Aber es ist schon bezeichnend, wenn von 18 Leuten nur 2 den Auftritt gut fanden... Besser wär's gewesen, wenn Gluecifer auf der "Kifferbühne" (Skatebühne, die am Sonntag unter dem Stoner Rock Banner lief) eine dreiviertel Stunde später angefangen hätten. Dann wäre ich zu denen gegangen, da hätte ich mehr vom (musikalischen) Abend gehabt, wie man mir nachher versichern konnte.
Natürlich war um diese Uhrzeit noch lange nicht Schluß, am Zelt war noch lange gute Stimmung, einige sind noch ins Power Metal Zelt gegangen, was ich mir aber gespart habe, da ich auf diese Art von Musik nun gar keinen Bock mehr hatte. Stattdessen wurden die letzten Biervorräte gekillt und noch lustig beinandergesessen. Wie gut, daß wir ein so großes Zelt hatten, denn es wurde schon recht frisch, so daß wir es uns in die "Hütte" verzogen haben. Das war dann also das Dynamo 1999 ... Halt! Ein Tag fehlt noch, auch wenn's da keine Musik gab.

Montag

Was jetzt kommt, ist wahrscheinlich leicht vorauszusehen: das Chaos bei der Abfahrt. Da wir keinen Bock hatten, den ganzen Kram über die Brücke zum Ausgang zu schleppen, nahmen wir kurzerhand eine Lücke im Zaun, um auf die Straße zu kommen. Etwa 100m weiter war auch eine Busstation, wo wir nachfragten, von wo aus die Busse zum Parkplatz 1 fuhren. Man schickte uns dann zu der Schlage ganz rechts, die sich aber beim Nachfragen an anderer Stelle als falsch herausstellte (vielen Dank), denn wir befanden uns an der Abfahrt zum Bahnhof. Also nochmal zu einem anderen Ausgang, wo wir uns dann artig anstellten. Was soll ich sagen? Es hat schon wieder eine Ewigkeit gedauert, einfach unglaublich! Es gab anscheinend die Order, die Busse nur durch die vorderen Türen zu "befüllen", was natürlich unnötig viel Zeit in Anspruch nimmt bei all dem sperrigen Gepäck. Was hat nur dagegen gesprochen, auch die hinteren Türen zu öffnen, alldieweil die Ordner am Schlangenkopf das ganze gut genug unter Kontrolle hatten, daß nicht zu viele in einen Bus steigen?! Man muß aber auch sagen, daß einige Gäste nicht genug gesunden Menschenverstand mitgebracht hatten, denn grundsätzlich setzten sich alle im Bus sofort auf die vordersten Plätze, damit sie mal ja nicht noch mehr laufen mußten. Daß dann die nachfolgenden nicht mehr so gut durch die eh schon engen Busgänge kamen, war den meisten wohl egal. Außerdem regten sich alle auf, daß so viele Busse an den Haltestellen vorbeifuhren. War natürlich blöd und deprimierend, aber die Busse in Richtung Bahnhof mußten auch an unserer Stelle vorbeifahren und da zum Bahnhof dreireihig angestanden wurde, ist es doch eigentlich sonnenklar, daß nur jeder fünfte Bus hält (3x Bahnhof und 1x P2 fahren dann halt vorbei). Bei jedem Bus, der nicht gehalten hat, wurde dann erstmal kräftig gebuht und das Gefährt teilweise mit Dosen beschmissen. Glücklicherweise ist aber nichts schlimmeres passiert, es kam im Gegenteil zwischendurch sogar nochmal kurz Stimmung auf, als plötzlich zwei Bälle über die Köpfe der Wartenden geschmissen wurden. Dazu gesellten sich dann noch mehrere Rucksäcke/Taschen (offensichtlich kaputt und leer), Badematten, Klorollen etc. bis irgendwann die Essensreste dran glauben mußten: (offene) Chipstüten, Kekse, Endnüsse, Würstchen bis hin zu Spaghettis und Salamischeiben, die unglaublich gute Flugeigenschaften besitzen! Teilweise war der Himmel schon fast verdunkelt und als krönenden Abschluß folgten dann noch zwei Kissen, die natürlich prompt aufrissen und die Leute unter einem Teppich von Federn begruben. Doch irgendwann waren auch wir im Bus angelangt und konnten endlich zum Parkplatz. In dem Massentransportmittel dann noch schnell Freundschaft mit anderen Fans geschlossen, die noch ein wenig ihren Humor behalten hatten ("Zuhause erstmal den verpaßten Kaffee nachholen und dann eine fette Sitzung auf dem Thron!") und nach ungezählten Stunden endlich in Richtung Heimat aufgebrochen.
Und was ist nun das Fazit dieses Dynamos: Die Organisation war schon eine echte Frechheit, das Essen und die T-Shirts waren zu teuer (ergo nix davon gekauft), die Headliner auf der Hauptbühne hätte man sich sparen können, wirklich klasse Stimmung kam nur im Zelt auf und das Zusammensein mit Metal-Fans aus allen vier Himmelsrichtungen ist immer wieder einfach nur geil!!! Was nächstes Jahr ist, muß man erstmal sehen, jetzt schon 100%ig zu- oder absagen kann ich noch nicht.


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© 1999 The_One_Brack@Bigfoot.Com Diese Seite stellt keine Meinungsäußerung der RWTH Aachen dar! Last updated: 29-Jun-1999