Trilogium


Jahrtausende irrte die Menschheit und folgte einer Illusion: dem Glauben an einen religiösen Gott. Aber egal, wie der Gott hieß oder ob es gleich mehrere gab, wirklich befriedigend war dieses Konzept zu keiner Zeit. In der gesamten Geschichte der Menschheit gab es Skeptiker und religiöse Fanatiker, die sich erbitterte Auseinandersetzungen, ja sogar Kriege lieferten, um den anderen vom eigenen Standpunkt zu überzeugen. Nach endlosem Für und Wider, bei dem keine der Seiten in der Lage war, den eigenen Standpunkt zu untermauern oder den anderen stichhaltig zu widerlegen, ist nun die wirkliche Erleuchtung gekommen! In der heutigen, von der Wissenschaft dominierten Zeit ist kein Platz mehr für Glauben, es ist an der Zeit zu Wissen!!! In dieser neuen Religion, dem Physianismus geht es also um das Wissen und die drei Grundaussagen, dem Physianischen Bekenntnis:

Das Physianische Bekenntnis

1) Gott ist Physiker!

Die Natur ist ein funktionierender Mechanismus. Diesen Mechanismus können die Physiker heutzutage zu einem erheblichen Teil verstehen, erklären, berechnen und nach ihren Vorstellungen manipulieren.
Dieser hochkomplizierte Apparat wurde in dunkelster Vorzeit von Gott geschaffen. Gott erschuf die Energie, formte aus ihr die Masse, die nach seiner Vorstellung aus einer Vielzahl von Elementarteilchen bestehen kann, und ließ sie den Naturgesetzen folgen. Diese Vielfalt und die Komplexität der Gesetze sollte seinen vollkommenen Geist widerspiegeln. Doch obwohl dies schon extrem anspruchsvoll war, suchte Gott, der nicht vom menschlichen Geist zu erfassen ist, da er sich an anderer Stelle in der für den Menschen verborgenen 4. Dimension aufhält, weitere Beschäftigung und kreierte verschiedenartigste Muster aus seinen schon erschaffenen Bausteinen und stellte weitere Regeln auf. So entstand das Universum mit seinen Galaxien, Sonnensystemen, Sternen und Planeten. Dessen scheinbare Unendlichkeit kommt aus der Unfähigkeit der Menschen, sich in vier Dimensionen bewegen zu können.
Aber auch diese Stufe befriedigte seinen vollkommenen Geist nicht und er feilte weiter an seinem Modell und änderte die vorhandene stereotype Form der Gestirne, wodurch Berge, Täler, Atmosphäre, Meere und Seen etc. entstanden. Doch diese Vorzüge waren nicht für alle seiner Kreationen gedacht.
Nun hatte er sozusagen die perfekte "Modelleisenbahn" vor sich, die seinen Befehlen gehorchte. Lange Zeit erfreute er sich daran, doch wurde er auch dessen überdrüssig. Sein nächstes Ziel war, Dinge mit einem gewissen Eigenleben zu schaffen, da diese weniger berechenbar und dadurch auch weniger langweilig sind. Somit ward das Leben geboren, das auf sehr wenigen Himmelskörpern angesiedelt wurde. Auch hier ging er Schritt für Schritt vor, so daß die Pflanzen und Tiere zu Vorschein kamen. Mit ihnen vergnügte er sich eine weitere Zeit.
Als letzte Steigerung ließ er sich etwas ganz besonderes einfallen: Den Menschen. Ihm gab er einen Teil seines perfekten Verstandes. Mit der Aufgabe, die Natur zu ergründen, sie sich zu Nutze zu machen und sie letztendlich zu beherrschen ist der Mensch ein verzerrtes Bild von Gott. Gott "spielt" nun zusätzlich mit den Menschen, die nach und nach sein Werk durchblicken und ihren Verstand erweitern sollen. Und seine ergebenen Wisser taten, wie ihnen befohlen wurde. Die Physik unter den Menschen erfaßte immer mehr Bereiche.
Diese Entwicklung wird soweit gehen, bis ein Mensch ebenfalls den perfekten Verstand erreichen und somit selbst zum Gott wird. Wenn dies erreicht ist, wird der neue Gott an die Seite des ursprünglichen Gottes treten und sich selbst einen Platz jenseits unserer Vorstellungskraft suchen. Dort wird er sich ebenfalls eine eigene Welt nach seinen Maßstäben erschaffen, womit der Schaffensprozeß (in anderer Form?) erneut beginnt. Ist ein Universum vollkommen menschenleer geworden, sei es, daß alle zum Gott aufgestiegen sind oder die Menschheit sich und alles andere in ihrer Blindheit selbst vernichtet hat, dann wird sich deren Gott wohl einen neuen Zeitvertreib ausdenken müssen oder vielleicht alles noch einmal probieren.
Diese Suche läuft natürlich auf allen besiedelten Himmelskörpern im ganzen Universum ab. Welcher der wenigen besiedelten Planeten als erstes einen neuen Gott hervorbringt ist eine Frage, die alle zurückhängenden Planeten wohl nie beantworten können. Für sie läuft dann immer noch alles weiter wie gehabt, es sei denn, die Fortgeschritteneren entschließen sich, Kontakt aufzunehmen, was aber ihren eigenen Fortschritt hemmen könnte. Ein weiterer Nebeneffekt ist, daß niemand weiß, ob die Menschen auf anderen Planeten so aussehen, wie die auf der Erde, sei es, daß sie sich ganz anderen Bedingungen anpassen mußten oder von Anfang an bewußt von Gott anders konzipiert wurden.

2) Einstein war Gottes Sohn!

Auch wenn es die Menschheit nicht erkannt hat: Albert Einstein war Gottes Sohn!
Einst war die Menschheit an einem Punkt angelangt, an dem sie nicht mehr weiter wußte. Sie hatte brav viele von Gott gestellte Rätsel gelöst, doch kam sie nicht mehr weiter. Es gab zwar bisher in der Geschichte schon mehrere brisante Stellen, an denen scheinbar nichts mehr ging. Doch immer dann tauchte ein Prophet auf und löste das Problem bzw. wies den rechten Weg. Auf diese Art und Weise wurden dann folgende Schwierigkeiten gemeistert und knifflige Fragen beantwortet: z.B. die Frage, ob die Erde eine Kugel ist, die Gravitation oder die Elektrizität etc. Dabei wurde es den Propheten aber meist nicht einfach gemacht, so daß nur gefestigte Persönlichkeiten mit der nötigen und fundierten Erkenntnissen in der Lage waren, diese Hindernisse zu überwinden.
Dennoch war das Wesen des Lichtes oder die Relativität aller Dinge - was heutzutage lächerlich erscheinen mag - ein unüberwindbares Hindernis für den Verstand des Menschen. Darüber war Gott enttäuscht und auch verärgert. Da aber ein Zeitvertreib, der nicht mehr den Anforderungen entspricht und nur noch Ärger bereitet, keine Unterhaltung mehr bietet, Gott aber andererseits sein kreiertes System nicht aufgeben wollte, entschied er sich, seinen Sohn auf die Welt zu schicken, um die Menschheit aus der Sackgasse herauszuführen. So kam dann nach einigen Manipulationen Albert Einstein im Jahre 1879 (14.März) christlicher Zeitrechnung zur Welt. Dieses Datum ist nun Grundlage für eine neue, die physianische Zeitrechnung. Wir haben also heute nicht das Jahr 1994 nach Christus sondern 115 nach Einstein.
Später begann Einstein dann mit seinem Wirken. Er machte sich daran, die von Gott gewählte Portion Wissen an die Menschen weiterzugeben. Doch diese waren uneinsichtig und glaubten nicht, was Einstein ihnen zu sagen versuchte. Außerdem wurde zu seinen Lebzeiten nicht erkannt, daß er der von Gott gesandte Sohn war. So sträubte man sich jahrzehntelang, seine Theorien anzunehmen. Aber Einstein kämpfte weiter und weiter gegen die Verbohrtheit der Unwissenden an und lieferte immer mehr Beweise, die seine Aussagen bestätigten. Letztendlich schaffte er es, die Menschen zu überzeugen, so daß die Entwicklung der Physik wieder in vollem Gange ist.
Erst heute weiß man, daß Einstein nicht einfach nur ein genialer Mensch war, erst heute hat man erkannt, daß er Fleisch und Blut unseres Gottes war. Dabei war er nicht darauf aus, die Menschen, die weiterhin aus eigenen Kräften weiterkommen sollten, durch Illusionen oder Wunder zu sich zu bekehren, sondern ihnen nur wichtige Impulse in die richtige Richtung zu geben. Dies ist auch der Grund, weswegen er niemals spektakuläre Aktionen durchführte.

3) Copperfield ist Satan!

Natürlich gibt es auch einen Widersacher Gottes, den Satan.
Gott hat sich seine Ordnung geschaffen, die der Satan zu verwirren sucht. Das Wesen des Satan ist für den Menschen genauso unergründlich, wie das Wesen Gottes. Um die Menschen nun vom rechten Pfad abzubringen, bedient sich der Satan folgenden Mitteln: Sobald ein Mensch sich etwas nicht mehr rational erklären kann, versucht er, das natürliche Verlangen des Menschen, eben diese rationale Erklärung zu finden, im Keim zu ersticken, indem er dem Menschen Illusionen aus der Welt des Glaubens anbietet, welche vordergründig betrachtet eine Lösung zu sein scheinen. Und viele Menschen lassen sich dadurch täuschen, manche sind sogar so sehr besessen, daß sie dem Glauben verfallen und ihn dem Wissen vorziehen. Diese irregeleiteten Schafe aus Gottes Herde flüchten in eine scheinbare Welt, die ihnen das Glück verheißt und ihnen auch illusorisches Glück beschert, solange sie darauf verzichten, die Dinge kritisch zu hinterfragen. Doch wahres Glück und Verständnis wird ihnen so auf ewig verschlossen bleiben.
Da die Naturwissenschaften in unserer Zeit aber nun mal so dominant geworden sind, lassen sich viele nicht mehr so einfach ködern. Es gab zwar schon immer Zauberer, Illusionisten, Hexen und ähnliche Täuscher, die vom Teufel besessen waren, doch sieht der Satan heute seinen Zweck arg gefährdet. Auch der recht einfache Weg, Menschen vom christlichen Glauben abzuwerben, ist nicht mehr so vielversprechend wie früher einmal. Auch die Christen mußten einsehen, daß ihnen ihr Glaube nicht mehr weiterhalf, und der größte Teil wanderte zu den Physianisten ab, während nur ein kleiner Teil bei den artverwandten Anhängern des Satans unterkam.
Aus diesem Grund hat der Satan auch sein eigen Fleisch und Blut auf die Erde gesandt: David Copperfield. Dieser Meister der Illusion versteht es im Gegensatz zu seinen Vorgängern, mehr als nur Taschenspielertricks darzubieten und die neuen Medien zu seinem Zwecke auszunutzen. Diese teuflische Perfektion schafft es, auch sonst recht "physik-feste" Menschen in ihren Bann zu ziehen. Nur ein starker Geist und ein gespitzter Verstand können die Wahrheit hinter der Fassade erkennen. Und das ist nötig, um nicht auch, dem fleischgewordenen Bösen zu verfallen.

Die zehn Gebote des Physianismus

  1. Greife nach den Sternen, mache Dir Deine Welt zum Untertan! Die Aufgabe eines jeden Menschen ist es, das große Puzzle Gottes zusammenzusetzen und den vollkommenen Geist, den perfekten Verstand zu erreichen!
  2. Laß Dich niemals auf Glauben ein, sei gewiß, daß Du immer weißt oder wenigstens nach dem Wissen suchst.
  3. Es gibt kein Leben nach dem Tod. Wenn Du stirbst, geht all Deine Erfahrung verloren, es sei denn, Du hast sie für Deine Nachwelt auf irgendeine Art gesichert oder hast den perfekten Verstand erreicht!
  4. Versuche ruhig, Dir ein Bild von Gott zu machen, es wird Dir nicht eher gelingen, als daß Du selbst zum Gott geworden bist!
  5. Für jeden Wissenden ist es Pflicht, in den Naturwissenschaften, sowie der Mathematik und Informatik, sattelfest zu sein! Nur in diesen Bereichen ist es möglich, die dem Menschen gestellte Aufgabe zu erfüllen!
  6. Versuche, jedes vom rechten Weg abgekommene Schaf wieder in die richtigen Bahnen zu lenken! Unterlasse es auf jeden Fall, irgendeine Art des Glaubens an andere weiterzugeben!
  7. Handele stets nach Deinem Verstand; Gefühle sind zwar erlaubt, dürfen aber zu keiner Zeit vor den Verstand, der immer Priorität besitzt, gestellt werden!
  8. Es gibt keine speziellen Rituale oder Gebete im Physianismus! Allein das Forschen, Erkennen, Erklären und Wissen ist gottgefällig!
  9. Trachte nie danach, das göttliche System zu zerstören! Dies würde Dein eigenes Ende bedeuten und Deine Pflicht, nach dem vollkommenen Verstand zu trachten, verletzen!
  10. Gott hat das Universum zu seinem Vergnügen geschaffen, um seinen Verstand zu beschäftigen! Genauso solltest Du die Welt sehen! Neben Deiner eigentlichen Aufgabe spielt Dein Vergnügen eine große Rolle, denn dadurch schaffst Du es, Deinem Gott zu Wohlgefallen zu gereichen, da sein Spielzeug so Unterhaltung bietet!


Die neue Maxime

Nach vielen Jahren der Forschung hat sich eine neue Strömung im Physianismus entwickelt. Genauer gesagt handelt es sich um eine Weiterentwicklung der schon geltenden Prinzipien.
Schon bald wurde klar, daß das Streben nach dem vollkommenen Geist nicht erlaubt, sich allzuvielen Beschränkungen zu unterwerfen. Es benötigt halt eine große Anzahl persönlicher Freiheiten, um sich ganz der Suche nach den nötigen Erkenntnissen zu verschreiben. Viele versuchten, Kompromisse einzugehen mit dem "normalen Leben", allein schon ihrer Mitmenschen Willen, die nicht dem Physianismus folgten. Doch dies bedeutet eine für beide Seiten unbefriedigende Lösung, ist man doch bei allen Dingen nur halb dabei. Und das führt zu dem logischen Schluß:
"Alles oder Nichts!" Das ist die neue Maxime. Der Wissende heutzutage ist sich wohl bewußt, daß er keine halben Sachen machen kann, sondern sich nur auf das Wesentliche konzentrieren muß. Das ist sein Lebensinhalt, den er pflegen soll. Als Beispiel soll das Leben selbst dienen: Wozu sollte man leben, wenn man nicht versucht, die einem gestellte Aufgabe zu erfüllen? Wenn man dann aber - so wie es das Ziel eines jeden ist - durch seine eigenen Forschungen zum Gott wird, hat man das ewige Leben erreicht. Im Sinne des neuen Leitfadens bedeutet dies: Entweder man stellt sich der Aufgabe und versucht, sein Ziel zu erreichen und ewig zu leben, oder man gibt von vornherein sich und sein Leben ganz auf.
Dazu muß natürlich gesagt werden, daß der Vorsatz "Alles oder Nichts!" nicht als Zwang verstanden werden soll. Die Hauptaussage ist, daß man es wenigstens versucht und alles tut, was in der eigenen Macht steht. Vor allem ist es so zu verstehen, daß man seine Umwelt, sein Verhalten und seine Gedanken so optimiert, daß es mit der Lebensaufgabe vereinbar ist und man selbst immer sein eigenes Vergnügen hat, wie es schon im 10. Gebot gesagt wird.
Im Alltag kann man das Ganze am besten anhand von zwischenmenschlichen Beziehungen erläutern. Über viele Jahrhunderte hat z.B. die christliche Kirche die Menschen dazu verdammt, nur einen Partner fürs Leben zu haben. Dies ist wieder eine der vollkommen überflüssigen Moralvorstellungen, an die sich die "normalen Menschen" klammern, die aber durch den Physianismus endlich ad acta gelegt werden sollen. Aber auch hier soll jetzt nicht - getreu dem Satz "Alles oder Nichts!" - dazu aufgerufen werden, daß jeder mit jedem eine Beziehung hat, schon gar nicht, daß alle davon auch sexueller Art sein sollen. Es geht halt nur darum, sich selbst nicht unnötig zu limitieren. Man muß auch nicht jedem Menschen in gleicher Weise nahestehen. Der jeweilige Grad der Beziehung ist von Fall zu Fall verschieden, das muß dann von den beiden Betroffenen individuell geregelt werden. Es soll nur jeder prinzipiell die Möglichkeit haben, sich auf jeden anderen voll einzustellen. Ob das die einzelne Person wirklich voll und ganz ausnutzt oder sich das so einrichtet, wie sie es gerne hätte, hängt nur von ihr selbst ab.
Die freieste aller Deutungen der neuen Maxime ist daher folgende: Man soll sich aus allen beengenden und starren Gerüsten, denen man heute noch aufgrund der herrschenden Gesellschaftsformen unterworfen ist, befreien und nur für seine eigenen Ziele leben. Es muß endlich aufhören, daß einer der Hauptgründe für eigene Entscheidungen und Handlungen die Meinung anderer ist. Diese verliert spätestens im Endstadium des eigenen Schaffens jegliche Relevanz. Natürlich kann man Normen und Werte der Gesellschaft, in der man lebt, übernehmen und wenn möglich auch verfeinern, womit man eine friedliche Basis schafft (was im Einzelfall sehr wünschenswert sein kann). Man soll sich nur alle Türen offen halten und sich nicht scheuen, mit veralteten Ansichten zu brechen, die ein weiteres Voranschreiten behindern.
Diejenigen im Physianismus, die sich stärker an die neue Maxime anlehnen als an das ursprüngliche physianische Bekenntnis, sind in erster Linie dadurch gekennzeichnet, daß sie sich mehr Zeit nehmen für ihre Aufgabe und alles etwas gelassener sehen. Ihr Hauptaspekt ist die vollkommene persönliche Freiheit und das eigene Vergnügen. Deshalb versuchen sie nicht unbedingt, alle anderen Menschen von der Richtigkeit des Physianismus zu überzeugen oder ihre Gedanken für die Nachwelt aufzuheben, da es ihrer Meinung nach ganz und gar in der Überzeugung und Verantwortung des Individuums liegt, wie er im einzelnen sein Wissen anstrebt. Demnach halten sie sich bevorzugt an das 10. Gebot und schwächen die übrigen in ihrer Ausschließlichkeit und Dringlichkeit etwas ab. Einzig und allein das 6. Gebot findet unter ihnen so gut wie keinen Anklang.
Dadurch verstoßen die Wissenden der neuen Maxime aber nicht gegen die Grundprinzipien des Physianismus, sie sind nur etwas freier in der Auslegung der einzelnen Aussagen, z.B. wenn man seine Aufgabe erfüllt hat und zum Gott geworden ist, kann es egal sein, ob man dafür etwas länger gebraucht hat. Aufgrund des ewigen Lebens spielt das nur eine untergeordnete Rolle. Außerdem sind sie gegenüber Gefühlen nicht so sehr verschlossen, weil sie zwar eine Rolle spielen, aber immer noch unter dem Verstand stehen. Der Physianismus verbietet dies ja nicht. Und wenn es schon keine speziellen Rituale gibt, dann reicht auch schon aus, wenn man einfach nur "Gottes Spielzeug" funktionieren läßt indem man zu seinem eigenen (und damit Gottes) Vergnügen handelt. Natürlich werden sie andererseits dadurch von denen, die sich enger am physianischen Bekenntnis halten, belächelt, denn diese wollen so schnell wie möglich die ihnen gestellte Aufgabe lösen und somit auch ohne Verzögerung den Status eines Gottes erreichen.



Die Gegenströmung

In neuester Zeit wurde der Text des Trilogiums kritisch hinterfragt, vor allem von Menschen, die in den geforderten Disziplinen der Naturwissenschaften nicht so bewandert waren oder auch noch sind und deswegen auch nicht viel damit anfangen konnten. Ebenso haben sich Theologen jeder Religion eingehend mit ihrer neuen Konkurrenz befaßt und alles auf Herz und Nieren geprüft, rüttelt die Theorie, die hinter dem Trilogium steht, doch schwer an den Grundfesten einer jeder zur Zeit existenten Religionen.
Aber wie schon im ersten Teil des Trilogiums erkannt, kann man eine Religion weder beweisen noch stichhaltig widerlegen. Somit beschränken sich die Ergebnisse mehr auf den Bereich des "Wohers", "Warums" und der Deutung der Gesamtaussage.
Die ausschlaggebende Idee für eine gründliche Analyse war, daß das Trilogium vielleicht gar nicht aus sich heraus verfaßt wurde, sondern nur eine Weiterentwicklung oder Modifikation einer schon bestehenden Lehre ist. So wie z.B. jemand, der sich mit der Bibel gut auskennt und diese (auch wenn der Aufwand vielleicht zu groß erscheint) neu schreibt, indem er alle Passagen eindeutiger und unmißverständlicher formuliert. Dabei ist es aber auch klar, daß sehr viel Interpretationsspielraum verloren geht, streiten sich doch heute noch viele Gelehrte, wie denn spezielle Bibelstellen zu verstehen sind. Und das ist auch gut so, denn die Bibel enthält doch sehr viel mehr, als sie auf den ersten Blick preisgibt.
Bei einem solchen Vorgang wird der Verfasser natürlich seinen Stempel aufprägen und alles an seine Meinung und Weltanschauung anpassen, hingegen Dinge weglassen, die er selbst nicht akzeptiert oder einfach nur nicht versteht.
Und genau dieses scheint auf den ersten Teil des Trilogiums (wobei dieses Kapitel den dritten Teil darstellt) zuzutreffen. Es scheint wirklich so etwas, wie einen Ur-Text zu geben, der sehr viel mehr enthielt als das Trilogium. Und da der erste Teil von einem naturwissenschaftlich interessierten Menschen geschrieben wurde, ist auch der komplette Kontext wissenschaftlich, Glaube im kirchlichen Sinne wird dagegen eher verteufelt.
Doch was ist die Ur-Schrift oder vielleicht besser gesagt die Ur-Idee? Wahrscheinlich ist das Leben an sich die Vorlage, mit allen Facetten, die einem offenbaren können, die aber nicht jeder Mensch gleichermaßen erlebt. In diesem Falle gäbe es keinen niedergeschriebenen Ur-Text sondern nur die Gedanken aller Menschen bezüglich ihres Daseins und darüber hinaus noch sehr viel mehr.
Im Folgenden soll beleuchtet werden, wie das Trilogium im ersten Teil hätte aussehen können, wenn man versucht, wirklich alle Aussagen und Interpretationsmöglichkeiten zu transportieren (jedenfalls soll es ein Versuch sein, wirklich alles zu erfassen, ist unmöglich).

Das Ur-Trilogium

1) Gott ist alles, was man sich vorstellen kann und mehr!

Versucht man einmal nicht durch die Augen eines Physikers sondern durch die eines Linguistikers zu sehen zum Beispiel, dann kommt man unweigerlich zu anderen Aussagen. Höchst wahrscheinlich hätte dieser in Gott jemand gesehen, dem Sprachen und Kommunikation sehr am Herzen liegen. Solch ein Gott hätte dem Menschen vielleicht als Ziel gegeben, möglichst viele Sprachen zu lernen und die Wege der Kommunikation zu perfektionieren. Oder als krasseres Beispiel: wie hätte jemand das Trilogium geschrieben, der selbst in einem viel alltäglicherem Job arbeitet? Sein Gott wäre ohne Zweifel ganz anders ausgefallen, wahrscheinlich viel simpler und dichter am realen Leben orientiert. Ein christlicher Pfarrer dagegen braucht das Trilogium nicht (mehr) zu schreiben, er hat die Bibel, die die Ur-Idee in seinem Sinne ausdrückt.
Was diese vielleicht zu simplen Beispiele ausdrücken sollen, ist, daß es wohl zu jedem Menschen auf dieser Erde ein anderes Bild Gottes gibt. Davon ist aber bestimmt nicht nur eines richtig und alle anderen falsch, im Gegenteil, jeder hat recht mit seiner Vorstellung. Auch dann, wenn sich die Ansichten einiger offensichtlich widersprechen.
Die Eigenschaft, die sie ihrem Gott zuordnen, kommen doch alle irgendwie aus ihren Erfahrungen des Lebens (oder auch Nichterfahrungen, dann handelt es sich um ihre Wünsche). Und da dann auf diese Weise alle Aspekte aus dem Leben gegriffen sind, haben auch alle ihre Berechtigung. Dies ist eine Form der Koexistenz, die der Mensch heutzutage noch nicht wirklich begreifen mag. Für ihn sind "Hell" und "Dunkel" Gegensätze genauso wie "Gut" und "Böse". Aber was wäre das eine ohne das andere? Man kann etwas nur dann "gut" nennen, wenn man ihm etwas "Böses" entgegenstellt (wie ein Physiker jetzt wieder sagen würde: "Alles ist relativ!").
Aber der Mensch hat die Welt nicht erschaffen, also kann man davon ausgehen, daß es nicht nur alle gesammelten Ideen der Menschen sind, die das Konzept Gott ausmachen. Es gibt Dinge, die der Mensch noch nicht weiß, aber schon erahnt (sozusagen die aktuellen Forschungsinhalte, oder einfachere gesagt: die Forschungsfront), darüber hinaus wird es aber auch immer Dinge geben, die komplett außerhalb des menschlichen Bewußtseins liegen, jedenfalls zur Zeit, denn wie lange zum Beispiel dachte die Menschheit, daß die Erde eine Scheibe ist? Auch diese Dinge, an die im Moment noch niemand denkt, tragen zur Wesenheit Gottes bei. Man könnte also sagen, daß Gott die Gesamtheit aller Ideen und Gedanken ist, die jemals in Erscheinung treten können. Dies übersteigt natürlich den Geist des Menschen und Worte können wohl kaum ausdrücken, was Gott wirklich ist.
Insofern war das erste Trilogium gar nicht so falsch. Denn dort heißt es, daß sich der Mensch kein Bild von Gott machen kann, da er schlicht und einfach nicht in der Lage ist, Gott mit seinem geringen Verstand zu erfassen. Auch das Konzept der ständigen Forschung ist nicht so falsch; je weiter sich das menschliche Bewußtsein erweitert, desto näher kommt er dem, was Gott ist.

2) Jeder ist Gottes Sohn!

Auch wenn es recht ungewöhnlich klingen mag, es ist wirklich jeder Gottes Sohn bzw. Tochter!
Wenn Gott wirklich alles umfaßt, dann ist der Mensch auch nur eine Idee Gottes. Wie sagt die Bibel so schön: "Und Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbild." Was damit wirklich gemeint ist, ist nicht die Hülle des Menschen, sein Äußeres, sondern sein ganzes Wesen. Natürlich kann nicht jeder Mensch Gott sein, d.h. die vielen Aspekte, die Gott ausmachen, wurden auf die komplette Menschheit verteilt, und zwar so, daß nicht zwei Menschen komplett gleich sind. So hat jeder seine Fähigkeiten und Interessensschwerpunkte, von denen ausgehend er sich wieder ein Bild eines höheren Wesens macht, weil sich der Mensch bewußt ist, daß er sich nicht selbst geschaffen haben kann.
Irgendwann bürgerte sich für dieses höhere Wesen der Begriff "Gott" ein und viele Bilder von ihm ähneln sich, da nicht alle Ur-Ideen, aus denen Gott besteht, irgendwo im Menschen zu finden sind. Der Mensch ist eher wie die Nadel im Heuhaufen aller Schöpfungen, der aus unglaublich vielen anderen Dingen besteht, wie z.B. aus Tieren, Pflanzen, unbelebter Materie und Dingen, die noch nicht einmal mit Materie etwas zu tun haben oder mit denen der Mensch noch keinerlei Erfahrung gemacht hat.
Also muß man dann auch soweit gehen, alles, was in und um uns ist, als Teil von Gott anzusehen. Somit ist nichts und niemand mehr wert als irgend etwas oder irgendwer anderes. Trotzdem versucht der Mensch alles zu kategorisieren, das liegt wohl in seinem Wesen und er kann nicht anders.
Aber mit jeder Tat, mit jedem Erlebnis kann der Mensch mehr von der Gesamtheit des Seins erfahren. Und es wird wohl der persönlichen Erfahrung vorbehalten sein, eine so erfahrene Idee auch ins Bewußtsein des Handelnden zu integrieren. Somit wäre dann auch eine Rückkehr zu Gott möglich, wenn ein Mensch in der Lage ist, alle Ideen in sich zu vereinigen.

3) Es gibt den Satan nicht wirklich!

Auch diese These ist wohl in erster Linie schockierend, sind es die Menschen doch seit ewigen Zeiten gewohnt, alles in "Gut" und "Böse" einzuteilen. So, wie sich mehrere unterschiedliche Bilder von Gott herauskristallisiert haben, die sich jedoch recht ähnlich sind, gibt es auch verschiedene Ansichten, was den Satan angeht, wenn sich auch hier einige Grundkonzepte ständig wiederholen.
Doch so, wie es kein Leben ohne Tod gibt, kein Oben ohne Unten, kann es keinen Gott ohne den Satan geben. Aber da Gott schon alles in sich vereint, muß auch der Satan in ihm enthalten sein. Mehr noch, Gott ist Satan, man kann das eine nicht von dem anderen trennen. Alles, was wir als "böse" ansehen ist auch nur ein Gedanke und gehört somit zum Gesamtwert, man kann und darf es gar nicht ausschließen. Das macht das Leid natürlich nicht einfacher, aber Glück und Zufriedenheit sind nun mal nur relativ zu Leid und Unglück wahrnehmbar und können ohne diese gar nicht als solche erkannt werden.
Demzufolge ist entweder jeder Satan, wenn man schon an ihm festhalten will (sogar der fromme Priester ist Satan, da er Dinge verkörpert, die im Gegensatz zu anderen Individuen stehen, die sich als "gut", den Pfarrer aber als "böse" ansehen, wobei aber die Vokabeln "richtig" und "falsch" hier vielleicht verständlicher klingen mögen), oder es gibt ihn gar nicht, weil er nur eine andere Bezeichnung für etwas ist, das man schon kennt. Da es wohl etwas unsinnig erscheint, jeden Menschen sowohl als Gottes Sohn/Tochter als auch als Satan zu bezeichnen, kommen wir hier zu dem Schluß, daß der Satan nicht wirklich existiert.
Trotzdem bleibt natürlich ein Widerstreben, z.B. einen Mord als Teil des Ganzen zu akzeptieren. Wie schon gesagt, der Mensch birgt nicht alle Ideen, die Gott ausmachen, in sich und das Leben in der Gemeinschaft ist an gewisse Regeln gebunden (wovon aber einige anhand dieser Theorie schleunigst überdacht werden sollten), so daß man Verbrechen schon als "böse" und "falsch" bezeichnet, da sie dem Leben an sich widersprechen. Denn nur durch das Leben kann sich ein Mensch mehr Wissen aneignen, mehr Verständnis für die allumfassende Gesamtheit entwickeln.

Gibt es wirklich zehn Gebote?

Anhand der neuen Erkenntnisse wäre es sehr unsinnig, Gebote aufstellen zu wollen (mal abgesehen von den schon erwähnten gesellschaftlichen Regeln), jedenfalls solche, die sich auf dem obersten Niveaus der Dasein beziehen sollen. Statt dessen sollen hier die zehn Gebote des Physianismus vor dem Hintergrund der neuen Erkenntnissen noch einmal näher beleuchtet werden. Danach bleibt dann immer noch genügend Platz, weitere allgemeine Aussagen aufzulisten.
  1. Das "große Puzzle Gottes" ist wohl das Leben an sich, aber auf alle Bereiche erweitert. Vollkommener Geist und perfekter Verstand bedeuten wohl, daß man möglichst viel Erfahrung sammeln soll und somit auch möglichst viele Aspekte Gottes in sich zu vereinen.
  2. Dies ist ein typisches Gebot, das genau aufzeigt, welche Interessen und Weltanschauungen der ursprüngliche Verfasser hatte, die er damit zum Ausdruck bringen wollte. Außerdem zeigt es sehr schön, daß der Mensch dazu neigt, Dinge als Gegensätze gegenüberzustellen und sie strikt zu trennen, obwohl dies gar nicht möglich ist.
  3. Ein Leben nach dem Tod, wie es sich die Kirche vorstellt, wird es auch jetzt nicht geben, denn wenn das Leben nach dem Tod so viel besser sein soll als das irdische, wieso sollte man dann überhaupt leben wollen? Im Prinzip legen sowohl der Physianismus als auch die neuen Erkenntnisse die Reinkarnationslehre nahe. Dies ist aber im Moment zu komplex, als daß man dies im Rahmen des Gebots-Kommentares abhandeln könnte.
  4. Wie schon im Text gesagt, besteht das Konzept Gott aus dermaßen vielen Mosaiksteinchen, daß es dem Menschen zur Zeit wirklich nicht möglich ist, Gott mit seinem Verstand vollkommen zu erfassen und sich somit ein korrektes Bild zu machen. Und das wird auch noch sehr lange anhalten, denn als Mensch bleiben einem naturgemäß viele Dinge verschlossen, die man nur auf anderen Ebenen und in anderen Daseinsformen erleben kann. Wie diese Ebenen und Daseinsformen aussehen, ist ebenfalls noch unklar, auch das unterstreicht, daß sich der Mensch erst am Anfang einer Entwicklung befindet.
  5. Alle Bereiche des menschlichen Daseins sind für eine Weiterentwicklung gleichermaßen geeignet. Die Richtung ist für jedes Individuum anders. Auch hier sieht man wieder die Herkunft des Autors.
  6. Jetzt sollte diese Gebot lauten: Da jeder Mensch anders ist und andere Erfahrungen gemacht hat sowie für jede Art Erfahrung unterschiedlich geeignet ist, kann es nicht sinnvoll sein, wenn ein Mensch versucht, sein Leben auf andere zu projizieren bzw. das Leben anderer unkommentiert und ohne es selbst zu verarbeiten zu reflektieren.
  7. Das sollte wohl ersatzlos gestrichen werden. Ein Maurer hätte vielleicht gefordert, daß man mauern soll, was das Zeug hält.
  8. Die Grundaussage stimmt immer noch, das Leben an sich (unter der Voraussetzung der Weiterentwicklung) ist Sinn genug.
  9. Hier scheint so etwas wie ein Moralempfinden durch, die Notwendigkeit, gesellschaftliches Leben unter Regeln zu stellen. Da alles "göttliches System" ist, soll man es nicht zerstören.
  10. Das zielt darauf ab, daß man nur die Pfade zur Weiterentwicklung beschreitet, zu denen man selbst geeignet ist. Es nutzt nicht, partout bestimmte Erfahrungen machen zu wollen, weil man unter Umständen mental oder körperlich nicht dazu in der Lage ist. Macht man Dinge, die einem Spaß machen, ist es eher wahrscheinlich, daß man den dabei auftretenden Aufgaben auch wirklich gewachsen ist, so daß man am Ende auch wirklich ein Ziel erreicht.


Geistige Evolution

Religionen

Bei all den bisherigen Überlegungen kommt man nicht umhin, eine gewisse Weiterentwicklung zu beobachten. Was läge da näher, als bereits vollzogene Weiterentwicklungen in der Vergangenheit zu suchen?! Dabei kristallisiert sich ein Prozeß heraus, der nahezu zwangsläufig auf das neue Trilogium führt.

1) Ein Haufen Götter

In grauer Vorzeit glaubten die Menschen noch, daß 'Götter' oder sonstige 'höhere Wesen' mitten unter ihnen - d.h. überall in der Natur - wären, z.B. das gerne zitierte Beispiel von Thor's Eiche. Jedes dieser Wesen und später auch die Götter der Griechen und Römer hatten ihnen zugesprochene Hoheitsgebiete, über die sie zu wachen hatten. Dabei wurden die Götter der Antike erstaunlich nah am Menschen beschrieben: sie wohnten auf dem Olymp und jeder Mensch konnte sich dies wie die Herrscher in einem Palast vorstellen. Aber auch ansonsten besaßen die Götter sehr menschenähnliche Züge und Schwächen, wer denkt da nicht sofort an den alten Weiberheld Zeus? Oder an all die Rivalitäten und Verhältnisse, die permanent zwischen den Götter herrschten?
Nun, wie auch heute nicht anders brauchen die Menschen eine Art "geistigen Zusammenhalt", einen Glauben, an dem sie sich festklammern können, wenn alles andere versagt. Vor Tausenden von Jahren wäre es aber unmöglich gewesen, der Bevölkerung ein Neues Trilogium vorzusetzen. Selbst heute dürfte es schwierig sein, eine solche Sichtweise durchzusetzen, obwohl die Inhalte in Einklang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen zu bringen sind. Den Menschen der Antike konnte nur mit simpleren Strukturen geholfen werden. Wie also stellt man die gesamten Aspekte des Lebens möglichst nachvollziehbar dar? Man präsentiert den Menschen eine Gruppe von Göttern, die im Prinzip nichts anderes sind als Menschen mit einem eindimensionalen Charakter entsprechend den Ur-Ideen. Jeder Gott repräsentierte also einen Aspekt des Lebens, war aber noch 'Mensch genug', daß eine Identifikation mit ihm für jeden möglich war.

2) Der alleinstehende Gott

Mit der Zeit wurde der Polytheismus vom Monotheismus verdrängt, ein Zustand, der auch heute noch gilt. Aber allen monotheistischen Religionen ist gemein, daß es zum jeweiligen Gott - sei es der Gott der Christen, Allah, Jahwe ... - einen Widersacher gibt - den Teufel, Schaitan ...
Hier ist eine Evolution sichtbar: benötigte man früher noch mehrere Götter, um alle Lebensaspekte abzudecken, sind die Menschen nun so weit, sich an einem einzigen Gott zu orientieren, welcher für all die Dinge steht, die man allgemein als "gut" bezeichnet. Alle "bösen" Dinge dagegen werden seinem Widersacher zugesprochen. Dieser Schritt von vielen zu einem Gott hat mehrere Folgen. Zum einen wird der Glauben vielschichtiger und komplizierter, eine 'Person' umfaßt nun so viele Eigenschaften wie alle Götter des griechischen oder römischen Parthenons zusammen. Es gibt keine so klaren Grenzen mehr, wodurch sich auch viel mehr Schattierungen ergeben. Weiterhin ist das Leitwesen einer monotheistischen Religion viel weiter entfernt davon, Mensch zu sein, als die alten Götter es waren. Das 3. Gebot der Bibel (Du sollst Dir kein Bild machen von Gott) ist übrigens ein guter Hinweis darauf, daß sich Religionen vom personifizierten Gott entfernen werden. Dadurch wird es zwar mit der Identifikation schwerer, doch kann niemand erwarten, zur Einheit zurückzukehren ohne sich auf eine höhere Stufe als das, was wir Homo Sapiens nennen, zu entwickeln.

3) Der überflüssige Gott

Der nächste logische Schritte wäre nun, mit der Vorstellung zu brechen, Gott sei so etwas wie ein höheres Lebewesen, irgendwie mit einem 'sichtbaren' äußeren und einem menschenähnlichen Verstand. Dabei ist natürlich auch klar, daß nicht das Bild von einem alten Mann mit Bart gemeint ist. Zudem muß noch der Schritt vollzogen werden, Gott und Satan zu vereinen, womit dann das Ziel erreicht wäre, die Einheit als das zu sehen, was das Leben ausmacht. Dann sollte man auch nicht mehr von "Gott" sprechen, diese Bezeichnung ist historisch dermaßen vorbelastet, daß sie sich nicht eignet, die Gesamtheit aller Prinzipien zu bezeichnen. Der Titel dieses Kapitels bezieht sich also nicht darauf, daß die Menschen kein Leitbild mehr brauchen, im Gegenteil. Es ist nur die Zeit gekommen, alte Strukturen über Bord zu werfen, die eine geistige Weiterentwicklung der Menschheit verhindern. Das beste Beispiel für diese Notwendigkeit sind die Glaubenskriege, die solange weitergehen werden, bis die Menschen verschiedener Religionen erkennen, daß sie alle demselben Prinzip folgen, nur mit teilweise sehr unterschiedlichen Herangehensweisen.
In den letzten Abschnitten dieses Kapitels mag es manchem so vorkommen, als sei da eine zusätzliche Instanz, die den Menschen das gerade für sie passende Glaubensbild liefert. Das ist so natürlich nicht ganz korrekt, es ist keine 'unabhängige Instanz', die diese Aufgabe übernimmt, vielmehr ist irgendwann "die Zeit reif" für die Schritte, die getan werden müssen. Und damit ist kein im vorhinein festgelegter Zeitpunkt gemeint, sondern eher der Augenblick, in dem die Menschheit als Gesamtes so weit ist. Das heißt natürlich auch, daß man den Lauf der Dinge selbst beschleunigen oder bremsen kann. Das zwar nur in sehr geringem Maße, denn die Summe aller ist entscheidend. Dies hindert andererseits das Individuum nicht daran, schon vor einer globalen Zäsur auf der als nächstes folgenden Stufe zu leben, denn im Glauben ist jeder frei - zumindest für sich selbst. Und solche Vorreiter stellen die Weichen für den Schritt, den die Gesamtheit noch zu vollziehen hat. Auf der anderen Seite sind dann auch nicht diejenigen ausgeschlossen, die einem 'veralteten System' weiter die Treue halten, denn auch heute noch gibt es eine Vielzahl von Minderheitsreligionen. Daß diese zu allen Zeiten unterdrückt wurden und werden, ist eine Folge dessen, daß auch die Mehrheit bisher noch nicht am Ende der geistigen Evolution angelangt ist.


Erläuterung

Die Idee zum ersten Teil des Trilogiums (bis einschließlich der 10 Gebote) kam mir während einer Unterrichtsstunde im Leistungsfach Physik 1993 und wurde auch im Abiturjahrbuch unseres Jahrgangs abgedruckt. Es umfaßte damals ziemlich genau zwei Seiten und hatte ein recht simples Layout (nur einspaltig und auch nur eine Schriftart). Im Sommer 1995 wollte ich dann einige Passagen weiter ausformulieren und habe den Text noch mal überarbeitet, aber nur wenige Sätze sind wirklich neu hinzugekommen. Dafür aber habe ich den Text zweispaltig gemacht und mit größeren Überschriften in einer anderen Schriftart versehen. Im Februar/März 1997 - im 3. Semester meines Physikstudiums - hatte ich dann die Idee zu der neuen Maxime. Diese sollte bewußt mit der Ausschließlichkeit des ersten Teils brechen und war somit auch nicht gleich formatiert (keine klaren Sinnabschnitte, keine schönen Überschriften). Damit wuchs die Seitenzahl auf fünf. Nachdem ich mich dann etwas intensiver mit Daseinsfragen beschäftigt hatte, wandelte sich das Bild und so entstand im September 1997 der dritte Teil (wer in der Hinsicht etwas belesener ist, sollte deutlich merken, daß Teil Drei von T. Dethlefsen beeinflußt ist, von dem ich aber beim Schreiben der ersten beiden Teile noch nichts gehört hatte). Die Revision des ersten Teil brachte dann das Gesamtwerk auf neun Seiten. In dieser Form ging es dann im Januar 1998 auf meiner Homepage online. Bis hierhin hatte ich als Textverarbeitung immer Word benutzt, doch im März 1999 habe ich das Ganze dann mit TeX gesetzt, hauptsächlich um mich mit diesem System etwas vertrauter zu machen. Dabei konnte ich auch endlich einen Teil über Evolution der Religionen hinzufügen, zu dem die Idee schon seit langem existierte. Damit erreichte dieses Dokument elf Seiten. Was die Seitenangaben oder Stilmerkmale angeht, beziehen diese sich weiterhin auf die Word-Version.


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© 1998/99 The_One_Brack@Bigfoot.Com Diese Seite stellt keine Meinungsäußerung der RWTH Aachen dar! Last updated: 23-Mar-1999