Jahrtausende irrte die Menschheit und folgte einer Illusion: dem Glauben
an einen religiösen Gott. Aber egal, wie der Gott hieß oder
ob es gleich mehrere gab, wirklich befriedigend war dieses Konzept zu keiner
Zeit. In der gesamten Geschichte der Menschheit gab es Skeptiker und religiöse
Fanatiker, die sich erbitterte Auseinandersetzungen, ja sogar Kriege lieferten,
um den anderen vom eigenen Standpunkt zu überzeugen. Nach endlosem
Für und Wider, bei dem keine der Seiten in der Lage war, den eigenen
Standpunkt zu untermauern oder den anderen stichhaltig zu widerlegen, ist
nun die wirkliche Erleuchtung gekommen! In der heutigen, von der Wissenschaft
dominierten Zeit ist kein Platz mehr für Glauben, es ist an der Zeit
zu Wissen!!! In dieser neuen Religion, dem Physianismus geht
es also um das Wissen und die drei Grundaussagen, dem Physianischen Bekenntnis:
Die Natur ist ein funktionierender Mechanismus. Diesen Mechanismus können
die Physiker heutzutage zu einem erheblichen Teil verstehen, erklären,
berechnen und nach ihren Vorstellungen manipulieren.
Dieser hochkomplizierte Apparat wurde in dunkelster Vorzeit von Gott
geschaffen. Gott erschuf die Energie, formte aus ihr die Masse, die nach
seiner Vorstellung aus einer Vielzahl von Elementarteilchen bestehen kann,
und ließ sie den Naturgesetzen folgen. Diese Vielfalt und die Komplexität
der Gesetze sollte seinen vollkommenen Geist widerspiegeln. Doch
obwohl dies schon extrem anspruchsvoll war, suchte Gott, der nicht vom
menschlichen Geist zu erfassen ist, da er sich an anderer Stelle in der
für den Menschen verborgenen 4. Dimension aufhält, weitere Beschäftigung
und kreierte verschiedenartigste Muster aus seinen schon erschaffenen Bausteinen
und stellte weitere Regeln auf. So entstand das Universum mit seinen Galaxien,
Sonnensystemen, Sternen und Planeten. Dessen scheinbare Unendlichkeit kommt
aus der Unfähigkeit der Menschen, sich in vier Dimensionen bewegen
zu können.
Aber auch diese Stufe befriedigte seinen vollkommenen Geist
nicht und er feilte weiter an seinem Modell und änderte die vorhandene
stereotype Form der Gestirne, wodurch Berge, Täler, Atmosphäre,
Meere und Seen etc. entstanden. Doch diese Vorzüge waren nicht für
alle seiner Kreationen gedacht.
Nun hatte er sozusagen die perfekte "Modelleisenbahn" vor sich, die
seinen Befehlen gehorchte. Lange Zeit erfreute er sich daran, doch wurde
er auch dessen überdrüssig. Sein nächstes Ziel war, Dinge
mit einem gewissen Eigenleben zu schaffen, da diese weniger berechenbar
und dadurch auch weniger langweilig sind. Somit ward das Leben geboren,
das auf sehr wenigen Himmelskörpern angesiedelt wurde. Auch hier ging
er Schritt für Schritt vor, so daß die Pflanzen und Tiere zu
Vorschein kamen. Mit ihnen vergnügte er sich eine weitere Zeit.
Als letzte Steigerung ließ er sich etwas ganz besonderes einfallen:
Den Menschen. Ihm gab er einen Teil seines perfekten Verstandes.
Mit der Aufgabe, die Natur zu ergründen, sie sich zu Nutze zu machen
und sie letztendlich zu beherrschen ist der Mensch ein verzerrtes Bild
von Gott. Gott "spielt" nun zusätzlich mit den Menschen, die nach
und nach sein Werk durchblicken und ihren Verstand erweitern sollen. Und
seine ergebenen Wisser taten, wie ihnen befohlen wurde. Die Physik
unter den Menschen erfaßte immer mehr Bereiche.
Diese Entwicklung wird soweit gehen, bis ein Mensch ebenfalls den perfekten
Verstand erreichen und somit selbst zum Gott wird. Wenn dies erreicht
ist, wird der neue Gott an die Seite des ursprünglichen Gottes treten
und sich selbst einen Platz jenseits unserer Vorstellungskraft suchen.
Dort wird er sich ebenfalls eine eigene Welt nach seinen Maßstäben
erschaffen, womit der Schaffensprozeß (in anderer Form?) erneut beginnt.
Ist ein Universum vollkommen menschenleer geworden, sei es, daß alle
zum Gott aufgestiegen sind oder die Menschheit sich und alles andere in
ihrer Blindheit selbst vernichtet hat, dann wird sich deren Gott wohl einen
neuen Zeitvertreib ausdenken müssen oder vielleicht alles noch einmal
probieren.
Diese Suche läuft natürlich auf allen besiedelten Himmelskörpern
im ganzen Universum ab. Welcher der wenigen besiedelten Planeten als erstes
einen neuen Gott hervorbringt ist eine Frage, die alle zurückhängenden
Planeten wohl nie beantworten können. Für sie läuft dann
immer noch alles weiter wie gehabt, es sei denn, die Fortgeschritteneren
entschließen sich, Kontakt aufzunehmen, was aber ihren eigenen Fortschritt
hemmen könnte. Ein weiterer Nebeneffekt ist, daß niemand weiß,
ob die Menschen auf anderen Planeten so aussehen, wie die auf der Erde,
sei es, daß sie sich ganz anderen Bedingungen anpassen mußten
oder von Anfang an bewußt von Gott anders konzipiert wurden.
2) Einstein war Gottes Sohn!
Auch wenn es die Menschheit nicht erkannt hat: Albert Einstein war Gottes
Sohn!
Einst war die Menschheit an einem Punkt angelangt, an dem sie nicht
mehr weiter wußte. Sie hatte brav viele von Gott gestellte Rätsel
gelöst, doch kam sie nicht mehr weiter. Es gab zwar bisher in der
Geschichte schon mehrere brisante Stellen, an denen scheinbar nichts mehr
ging. Doch immer dann tauchte ein Prophet auf und löste das Problem
bzw. wies den rechten Weg. Auf diese Art und Weise wurden dann folgende
Schwierigkeiten gemeistert und knifflige Fragen beantwortet: z.B. die Frage,
ob die Erde eine Kugel ist, die Gravitation oder die Elektrizität
etc. Dabei wurde es den Propheten aber meist nicht einfach gemacht, so
daß nur gefestigte Persönlichkeiten mit der nötigen und
fundierten Erkenntnissen in der Lage waren, diese Hindernisse zu überwinden.
Dennoch war das Wesen des Lichtes oder die Relativität aller Dinge
- was heutzutage lächerlich erscheinen mag - ein unüberwindbares
Hindernis für den Verstand des Menschen. Darüber war Gott enttäuscht
und auch verärgert. Da aber ein Zeitvertreib, der nicht mehr den Anforderungen
entspricht und nur noch Ärger bereitet, keine Unterhaltung mehr bietet,
Gott aber andererseits sein kreiertes System nicht aufgeben wollte, entschied
er sich, seinen Sohn auf die Welt zu schicken, um die Menschheit aus der
Sackgasse herauszuführen. So kam dann nach einigen Manipulationen
Albert Einstein im Jahre 1879 (14.März) christlicher Zeitrechnung
zur Welt. Dieses Datum ist nun Grundlage für eine neue, die physianische
Zeitrechnung. Wir haben also heute nicht das Jahr 1994 nach Christus
sondern 115 nach Einstein.
Später begann Einstein dann mit seinem Wirken. Er machte sich
daran, die von Gott gewählte Portion Wissen an die Menschen weiterzugeben.
Doch diese waren uneinsichtig und glaubten nicht, was Einstein ihnen zu
sagen versuchte. Außerdem wurde zu seinen Lebzeiten nicht erkannt,
daß er der von Gott gesandte Sohn war. So sträubte man sich
jahrzehntelang, seine Theorien anzunehmen. Aber Einstein kämpfte weiter
und weiter gegen die Verbohrtheit der Unwissenden an und lieferte
immer mehr Beweise, die seine Aussagen bestätigten. Letztendlich schaffte
er es, die Menschen zu überzeugen, so daß die Entwicklung der
Physik wieder in vollem Gange ist.
Erst heute weiß man, daß Einstein nicht einfach nur ein
genialer Mensch war, erst heute hat man erkannt, daß er Fleisch und
Blut unseres Gottes war. Dabei war er nicht darauf aus, die Menschen, die
weiterhin aus eigenen Kräften weiterkommen sollten, durch Illusionen
oder Wunder zu sich zu bekehren, sondern ihnen nur wichtige Impulse in
die richtige Richtung zu geben. Dies ist auch der Grund, weswegen er niemals
spektakuläre Aktionen durchführte.
3) Copperfield ist Satan!
Natürlich gibt es auch einen Widersacher Gottes, den Satan.
Gott hat sich seine Ordnung geschaffen, die der Satan zu verwirren
sucht. Das Wesen des Satan ist für den Menschen genauso unergründlich,
wie das Wesen Gottes. Um die Menschen nun vom rechten Pfad abzubringen,
bedient sich der Satan folgenden Mitteln: Sobald ein Mensch sich etwas
nicht mehr rational erklären kann, versucht er, das natürliche
Verlangen des Menschen, eben diese rationale Erklärung zu finden,
im Keim zu ersticken, indem er dem Menschen Illusionen aus der Welt des
Glaubens anbietet, welche vordergründig betrachtet eine Lösung
zu sein scheinen. Und viele Menschen lassen sich dadurch täuschen,
manche sind sogar so sehr besessen, daß sie dem Glauben verfallen
und ihn dem Wissen vorziehen. Diese irregeleiteten Schafe aus Gottes
Herde flüchten in eine scheinbare Welt, die ihnen das Glück verheißt
und ihnen auch illusorisches Glück beschert, solange sie darauf verzichten,
die Dinge kritisch zu hinterfragen. Doch wahres Glück und Verständnis
wird ihnen so auf ewig verschlossen bleiben.
Da die Naturwissenschaften in unserer Zeit aber nun mal so dominant
geworden sind, lassen sich viele nicht mehr so einfach ködern. Es
gab zwar schon immer Zauberer, Illusionisten, Hexen und ähnliche Täuscher,
die vom Teufel besessen waren, doch sieht der Satan heute seinen Zweck
arg gefährdet. Auch der recht einfache Weg, Menschen vom christlichen
Glauben abzuwerben, ist nicht mehr so vielversprechend wie früher
einmal. Auch die Christen mußten einsehen, daß ihnen ihr Glaube
nicht mehr weiterhalf, und der größte Teil wanderte zu den Physianisten
ab, während nur ein kleiner Teil bei den artverwandten Anhängern
des Satans unterkam.
Aus diesem Grund hat der Satan auch sein eigen Fleisch und Blut auf
die Erde gesandt: David Copperfield. Dieser Meister der Illusion versteht
es im Gegensatz zu seinen Vorgängern, mehr als nur Taschenspielertricks
darzubieten und die neuen Medien zu seinem Zwecke auszunutzen. Diese teuflische
Perfektion schafft es, auch sonst recht "physik-feste" Menschen in ihren
Bann zu ziehen. Nur ein starker Geist und ein gespitzter Verstand können
die Wahrheit hinter der Fassade erkennen. Und das ist nötig, um nicht
auch, dem fleischgewordenen Bösen zu verfallen.
Versucht man einmal nicht durch die Augen eines Physikers sondern durch
die eines Linguistikers zu sehen zum Beispiel, dann kommt man unweigerlich
zu anderen Aussagen. Höchst wahrscheinlich hätte dieser in Gott
jemand gesehen, dem Sprachen und Kommunikation sehr am Herzen liegen.
Solch ein Gott hätte dem Menschen vielleicht als Ziel gegeben, möglichst
viele Sprachen zu lernen und die Wege der Kommunikation zu perfektionieren.
Oder als krasseres Beispiel: wie hätte jemand das Trilogium geschrieben,
der selbst in einem viel alltäglicherem Job arbeitet? Sein Gott wäre
ohne Zweifel ganz anders ausgefallen, wahrscheinlich viel simpler und dichter
am realen Leben orientiert. Ein christlicher Pfarrer dagegen braucht
das Trilogium nicht (mehr) zu schreiben, er hat die Bibel, die die Ur-Idee
in seinem Sinne ausdrückt.
Was diese vielleicht zu simplen Beispiele ausdrücken sollen, ist,
daß es wohl zu jedem Menschen auf dieser Erde ein anderes Bild Gottes
gibt. Davon ist aber bestimmt nicht nur eines richtig und alle anderen
falsch, im Gegenteil, jeder hat recht mit seiner Vorstellung. Auch dann,
wenn sich die Ansichten einiger offensichtlich widersprechen.
Die Eigenschaft, die sie ihrem Gott zuordnen, kommen doch alle irgendwie
aus ihren Erfahrungen des Lebens (oder auch Nichterfahrungen, dann handelt
es sich um ihre Wünsche). Und da dann auf diese Weise alle Aspekte
aus dem Leben gegriffen sind, haben auch alle ihre Berechtigung. Dies
ist eine Form der Koexistenz, die der Mensch heutzutage noch nicht wirklich
begreifen mag. Für ihn sind "Hell" und "Dunkel" Gegensätze genauso
wie "Gut" und "Böse". Aber was wäre das eine ohne das andere?
Man kann etwas nur dann "gut" nennen, wenn man ihm etwas "Böses" entgegenstellt
(wie ein Physiker jetzt wieder sagen würde: "Alles ist relativ!").
Aber der Mensch hat die Welt nicht erschaffen, also kann man davon
ausgehen, daß es nicht nur alle gesammelten Ideen der Menschen sind,
die das Konzept Gott ausmachen. Es gibt Dinge, die der Mensch noch nicht
weiß, aber schon erahnt (sozusagen die aktuellen Forschungsinhalte,
oder einfachere gesagt: die Forschungsfront), darüber hinaus wird
es aber auch immer Dinge geben, die komplett außerhalb des menschlichen
Bewußtseins liegen, jedenfalls zur Zeit, denn wie lange zum Beispiel
dachte die Menschheit, daß die Erde eine Scheibe ist? Auch diese
Dinge, an die im Moment noch niemand denkt, tragen zur Wesenheit Gottes
bei. Man könnte also sagen, daß Gott die Gesamtheit aller Ideen
und Gedanken ist, die jemals in Erscheinung treten können. Dies übersteigt
natürlich den Geist des Menschen und Worte können wohl kaum ausdrücken,
was Gott wirklich ist.
Insofern war das erste Trilogium gar nicht so falsch. Denn dort heißt
es, daß sich der Mensch kein Bild von Gott machen kann, da er schlicht
und einfach nicht in der Lage ist, Gott mit seinem geringen Verstand zu
erfassen. Auch das Konzept der ständigen Forschung ist nicht so falsch;
je weiter sich das menschliche Bewußtsein erweitert, desto näher
kommt er dem, was Gott ist.
2) Jeder ist Gottes Sohn!
Auch wenn es recht ungewöhnlich klingen mag, es ist wirklich jeder
Gottes Sohn bzw. Tochter!
Wenn Gott wirklich alles umfaßt, dann ist der Mensch auch nur
eine Idee Gottes. Wie sagt die Bibel so schön: "Und Gott schuf den
Menschen nach seinem Ebenbild." Was damit wirklich gemeint ist, ist nicht
die Hülle des Menschen, sein Äußeres, sondern sein ganzes
Wesen. Natürlich kann nicht jeder Mensch Gott sein, d.h. die vielen
Aspekte, die Gott ausmachen, wurden auf die komplette Menschheit verteilt,
und zwar so, daß nicht zwei Menschen komplett gleich sind. So hat
jeder seine Fähigkeiten und Interessensschwerpunkte, von denen ausgehend
er sich wieder ein Bild eines höheren Wesens macht, weil sich der
Mensch bewußt ist, daß er sich nicht selbst geschaffen haben
kann.
Irgendwann bürgerte sich für dieses höhere Wesen der
Begriff "Gott" ein und viele Bilder von ihm ähneln sich, da nicht
alle Ur-Ideen, aus denen Gott besteht, irgendwo im Menschen zu finden sind.
Der Mensch ist eher wie die Nadel im Heuhaufen aller Schöpfungen,
der aus unglaublich vielen anderen Dingen besteht, wie z.B. aus Tieren,
Pflanzen, unbelebter Materie und Dingen, die noch nicht einmal mit Materie
etwas zu tun haben oder mit denen der Mensch noch keinerlei Erfahrung gemacht
hat.
Also muß man dann auch soweit gehen, alles, was in und um uns
ist, als Teil von Gott anzusehen. Somit ist nichts und niemand mehr wert
als irgend etwas oder irgendwer anderes. Trotzdem versucht der Mensch alles
zu kategorisieren, das liegt wohl in seinem Wesen und er kann nicht anders.
Aber mit jeder Tat, mit jedem Erlebnis kann der Mensch mehr von der
Gesamtheit des Seins erfahren. Und es wird wohl der persönlichen Erfahrung
vorbehalten sein, eine so erfahrene Idee auch ins Bewußtsein des
Handelnden zu integrieren. Somit wäre dann auch eine Rückkehr
zu Gott möglich, wenn ein Mensch in der Lage ist, alle Ideen in sich
zu vereinigen.
3) Es gibt den Satan nicht wirklich!
Auch diese These ist wohl in erster Linie schockierend, sind es die
Menschen doch seit ewigen Zeiten gewohnt, alles in "Gut" und "Böse"
einzuteilen. So, wie sich mehrere unterschiedliche Bilder von Gott herauskristallisiert
haben, die sich jedoch recht ähnlich sind, gibt es auch verschiedene
Ansichten, was den Satan angeht, wenn sich auch hier einige Grundkonzepte
ständig wiederholen.
Doch so, wie es kein Leben ohne Tod gibt, kein Oben ohne Unten, kann
es keinen Gott ohne den Satan geben. Aber da Gott schon alles in sich vereint,
muß auch der Satan in ihm enthalten sein. Mehr noch, Gott ist Satan,
man kann das eine nicht von dem anderen trennen. Alles, was wir als "böse"
ansehen ist auch nur ein Gedanke und gehört somit zum Gesamtwert,
man kann und darf es gar nicht ausschließen. Das macht das Leid natürlich
nicht einfacher, aber Glück und Zufriedenheit sind nun mal nur relativ
zu Leid und Unglück wahrnehmbar und können ohne diese gar nicht
als solche erkannt werden.
Demzufolge ist entweder jeder Satan, wenn man schon an ihm festhalten
will (sogar der fromme Priester ist Satan, da er Dinge verkörpert,
die im Gegensatz zu anderen Individuen stehen, die sich als "gut", den
Pfarrer aber als "böse" ansehen, wobei aber die Vokabeln "richtig"
und "falsch" hier vielleicht verständlicher klingen mögen), oder
es gibt ihn gar nicht, weil er nur eine andere Bezeichnung für etwas
ist, das man schon kennt. Da es wohl etwas unsinnig erscheint, jeden Menschen
sowohl als Gottes Sohn/Tochter als auch als Satan zu bezeichnen, kommen
wir hier zu dem Schluß, daß der Satan nicht wirklich existiert.
Trotzdem bleibt natürlich ein Widerstreben, z.B. einen Mord als
Teil des Ganzen zu akzeptieren. Wie schon gesagt, der Mensch birgt nicht
alle Ideen, die Gott ausmachen, in sich und das Leben in der Gemeinschaft
ist an gewisse Regeln gebunden (wovon aber einige anhand dieser Theorie
schleunigst überdacht werden sollten), so daß man Verbrechen
schon als "böse" und "falsch" bezeichnet, da sie dem Leben an sich
widersprechen. Denn nur durch das Leben kann sich ein Mensch mehr Wissen
aneignen, mehr Verständnis für die allumfassende Gesamtheit entwickeln.
Bei all den bisherigen Überlegungen kommt man nicht umhin, eine gewisse Weiterentwicklung zu beobachten. Was läge da näher, als bereits vollzogene Weiterentwicklungen in der Vergangenheit zu suchen?! Dabei kristallisiert sich ein Prozeß heraus, der nahezu zwangsläufig auf das neue Trilogium führt.
1) Ein Haufen Götter
In grauer Vorzeit glaubten die Menschen noch, daß 'Götter' oder sonstige 'höhere Wesen' mitten unter ihnen - d.h. überall in der Natur - wären, z.B. das gerne zitierte Beispiel von Thor's Eiche. Jedes dieser Wesen und später auch die Götter der Griechen und Römer hatten ihnen zugesprochene Hoheitsgebiete, über die sie zu wachen hatten. Dabei wurden die Götter der Antike erstaunlich nah am Menschen beschrieben: sie wohnten auf dem Olymp und jeder Mensch konnte sich dies wie die Herrscher in einem Palast vorstellen. Aber auch ansonsten besaßen die Götter sehr menschenähnliche Züge und Schwächen, wer denkt da nicht sofort an den alten Weiberheld Zeus? Oder an all die Rivalitäten und Verhältnisse, die permanent zwischen den Götter herrschten?
Nun, wie auch heute nicht anders brauchen die Menschen eine Art "geistigen Zusammenhalt", einen Glauben, an dem sie sich festklammern können, wenn alles andere versagt. Vor Tausenden von Jahren wäre es aber unmöglich gewesen, der Bevölkerung ein Neues Trilogium vorzusetzen. Selbst heute dürfte es schwierig sein, eine solche Sichtweise durchzusetzen, obwohl die Inhalte in Einklang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen zu bringen sind. Den Menschen der Antike konnte nur mit simpleren Strukturen geholfen werden. Wie also stellt man die gesamten Aspekte des Lebens möglichst nachvollziehbar dar? Man präsentiert den Menschen eine Gruppe von Göttern, die im Prinzip nichts anderes sind als Menschen mit einem eindimensionalen Charakter entsprechend den Ur-Ideen. Jeder Gott repräsentierte also einen Aspekt des Lebens, war aber noch 'Mensch genug', daß eine Identifikation mit ihm für jeden möglich war.
2) Der alleinstehende Gott
Mit der Zeit wurde der Polytheismus vom Monotheismus verdrängt, ein Zustand, der auch heute noch gilt. Aber allen monotheistischen Religionen ist gemein, daß es zum jeweiligen Gott - sei es der Gott der Christen, Allah, Jahwe ... - einen Widersacher gibt - den Teufel, Schaitan ...
Hier ist eine Evolution sichtbar: benötigte man früher noch mehrere Götter, um alle Lebensaspekte abzudecken, sind die Menschen nun so weit, sich an einem einzigen Gott zu orientieren, welcher für all die Dinge steht, die man allgemein als "gut" bezeichnet. Alle "bösen" Dinge dagegen werden seinem Widersacher zugesprochen. Dieser Schritt von vielen zu einem Gott hat mehrere Folgen. Zum einen wird der Glauben vielschichtiger und komplizierter, eine 'Person' umfaßt nun so viele Eigenschaften wie alle Götter des griechischen oder römischen Parthenons zusammen. Es gibt keine so klaren Grenzen mehr, wodurch sich auch viel mehr Schattierungen ergeben. Weiterhin ist das Leitwesen einer monotheistischen Religion viel weiter entfernt davon, Mensch zu sein, als die alten Götter es waren. Das 3. Gebot der Bibel (Du sollst Dir kein Bild machen von Gott) ist übrigens ein guter Hinweis darauf, daß sich Religionen vom personifizierten Gott entfernen werden. Dadurch wird es zwar mit der Identifikation schwerer, doch kann niemand erwarten, zur Einheit zurückzukehren ohne sich auf eine höhere Stufe als das, was wir Homo Sapiens nennen, zu entwickeln.
3) Der überflüssige Gott
Der nächste logische Schritte wäre nun, mit der Vorstellung zu brechen, Gott sei so etwas wie ein höheres Lebewesen, irgendwie mit einem 'sichtbaren' äußeren und einem menschenähnlichen Verstand. Dabei ist natürlich auch klar, daß nicht das Bild von einem alten Mann mit Bart gemeint ist. Zudem muß noch der Schritt vollzogen werden, Gott und Satan zu vereinen, womit dann das Ziel erreicht wäre, die Einheit als das zu sehen, was das Leben ausmacht. Dann sollte man auch nicht mehr von "Gott" sprechen, diese Bezeichnung ist historisch dermaßen vorbelastet, daß sie sich nicht eignet, die Gesamtheit aller Prinzipien zu bezeichnen. Der Titel dieses Kapitels bezieht sich also nicht darauf, daß die Menschen kein Leitbild mehr brauchen, im Gegenteil. Es ist nur die Zeit gekommen, alte Strukturen über Bord zu werfen, die eine geistige Weiterentwicklung der Menschheit verhindern. Das beste Beispiel für diese Notwendigkeit sind die Glaubenskriege, die solange weitergehen werden, bis die Menschen verschiedener Religionen erkennen, daß sie alle demselben Prinzip folgen, nur mit teilweise sehr unterschiedlichen Herangehensweisen.
In den letzten Abschnitten dieses Kapitels mag es manchem so vorkommen, als sei da eine zusätzliche Instanz, die den Menschen das gerade für sie passende Glaubensbild liefert. Das ist so natürlich nicht ganz korrekt, es ist keine 'unabhängige Instanz', die diese Aufgabe übernimmt, vielmehr ist irgendwann "die Zeit reif" für die Schritte, die getan werden müssen. Und damit ist kein im vorhinein festgelegter Zeitpunkt gemeint, sondern eher der Augenblick, in dem die Menschheit als Gesamtes so weit ist. Das heißt natürlich auch, daß man den Lauf der Dinge selbst beschleunigen oder bremsen kann. Das zwar nur in sehr geringem Maße, denn die Summe aller ist entscheidend. Dies hindert andererseits das Individuum nicht daran, schon vor einer globalen Zäsur auf der als nächstes folgenden Stufe zu leben, denn im Glauben ist jeder frei - zumindest für sich selbst. Und solche Vorreiter stellen die Weichen für den Schritt, den die Gesamtheit noch zu vollziehen hat. Auf der anderen Seite sind dann auch nicht diejenigen ausgeschlossen, die einem 'veralteten System' weiter die Treue halten, denn auch heute noch gibt es eine Vielzahl von Minderheitsreligionen. Daß diese zu allen Zeiten unterdrückt wurden und werden, ist eine Folge dessen, daß auch die Mehrheit bisher noch nicht am Ende der geistigen Evolution angelangt ist.

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