Womit sich der Student befaßt

Diese Seite wendet sich in erster Linie an Studenten technischer Fachrichtungen in den ersten paar Semestern und an Schüler, die mal als solche enden wollen ;-) Damit es denen nicht so geht wie mir, möchte ich hier auf zwei Dinge hinweisen, um die man nicht herumkommt... Es gibt im Netz zwar eine Menge ausführlicherer Vorstellungen (mit Installationshinweisen, Downloads, Support etc.) von Linux und LaTeX, aber was nützen die, wenn man als Microsoft-Abhängiger (oder besser: Windows- und Word-Geschädigter) gar nichts von der Existenz dieser Software weiß?!


Linux

Auch wenn man als "normaler" Heimanwender höchstwahrscheinlich gar nicht in Kontakt zu einem anderen Betriebssystem als Dos/Windows kommt, ist Linux an vielen (fast allen?) Universitäten das einzige Betriebssystem. Sollte man also mit dem Gedanken spielen, seine Karriere nach dem Studium weiter an der Uni zu bestreiten, sollte man frühzeitig damit beginnen, sich mit Linux zu befassen. Ich selbst habe erst im 7. Semester angefangen, damit am eigenen Rechner herumzuspielen - etwas spät eigentlich, denn die grundlegensten Dinge, die man am CIP-Pool der Uni wissen muß (Kopieren, löschen, Verzeichnisse, Netscape starten...), reichen wohl spätestens dann nicht mehr aus, wenn man das System nach eigenen Vorlieben konfigurieren möchte. Hier ist auch schon der erste große Unterschied zu Windows: es findet noch sehr viel an der Eingabezeile statt (aber mit mehr Macht, als es bei Dos der Fall war) und die Konfiguration ist nicht menü-unterstützt. Man könnte also kraß sagen, daß man bei Linux nicht so den Arsch nachgetragen bekommt wie bei Windows 9x. Aus diesem Grunde ist Linux auch kein Betriebssystem für den Anfänger, auch Umsteiger von Dos/Windows (wie ich) werden so ihre Schwierigkeiten haben, da Linux sich doch sehr im ganzen Konzept von den Microsoftprodukten unterscheidet. Aber was spricht nun für dafür, bisher hörte sich doch alles recht negativ an? Immerhin haben sich die Unis für Linux entschieden, ganz so verkehrt kann es also nicht sein...
Linux ist von Anfang an als Multiuser- und Multitasking-System ausgelegt und läuft sehr stabil. Außerdem ist Kommunikation zu anderen Rechnern viel grundlegender in das System eingebunden (Mail, News, Talk alles aus der Shell raus). Daneben ist es im Prinzip völlig frei erhältlich (incl. Source-Code, so daß sich jeder User an der Weiterentwicklung beteiligen kann), man muß entweder die Online-Gebühren bezahlen, wenn man sich alles aus dem Internet zieht, oder ein recht geringes Entgeld, wenn man eine sogenannte 'Distribution' im Laden ersteht. Bei letzterer Bezugsart kauft man ein Paket aus Bootdisk, Installations-CDs und einem Installationshandbuch, die von verschiedenen Gruppen zusammengetragen wurden (d.h. es entfällt die Sucherei im Netz). Als mögliche Distributionen gibt es z.B. S.u.S.e., Redhat, Slackware etc. (ab etwa 50DM - für das gesamte Betriebssystem und eine Menge von Anwendungen!). Ich selbst habe die S.u.S.e. 5.3 Distribution, die 5 CDs mit allen möglichen Applikationen enthält. Dazu gibt es von verschiedenen Anbietern in regelmäßigen Abständen Sammlungen der interessantesten Neuheiten aus dem Internet (meist um die 20-30DM für 3 CDs).
Zum Umgang mit Linux möchte ich erwähnen, daß es auf keinen Fall ausreicht, nur das Handbuch einer Distribution oder die Online-Dokumentation als Hilfe zu benutzen. Am besten, man besorgt sich zunächst ein kleineres Buch für blutige Anfänger (gibt's z.B. von Data Becker, Sybex etc.), um ein grobes Verständnis für das Betriebssystem zu entwickeln. Ich habe dazu "Das Einsteigerseminar - Linux" von Ralph und Gudrun Göstenmeier (bhv Verlags GmbH) benutzt, welches mir recht gut weitergeholfen hat (19,80DM, ca. 400 Seiten Umfang). Danach sollte man mal in die diversen dicken Wälzer zum Thema Linux schauen und sich eins aussuchen, daß einem persönlich am meisten liegt (je nach Schwerpunkt des Buches). Außerdem sollte an jeder Universität ein Einführungskurs angeboten werden, man muß sich nur mal umhören.


LaTeX

Bei LaTeX ("La-tech") handelt es sich um ein professionelles Satzsystem mit dem das Erstellen wissenschaftlicher Dokumente eine reine Freude ist. Wie schon bei Linux ist es frei erhältlich und kann von jedermann (in erster Linie durch Makros und Pakete) weiterentwickelt werden. Wer sich schon immer über den *GRFTLX!*-Formeleditor von Word geärgert hat, trotzdem aber laufend mit Gleichungen zu tun hat, der ist hier richtig aufgehoben.
Der Quell-Text eines LaTeX-Dokumentes kann mit jedem beliebigen Texteditor (Kenner würden hier die Macht des emacs-Editors unter Linux preisen...) eingegeben werden, dieser wird dann durch LaTeX übersetzt. Formatierungen, Gliederungen, Textattribute etc. werden durch Befehle und Umgebungen realisiert, wer schon mal einen HTML-Code gesehen hat, für den dürfte auch LaTeX im Prinzip nicht allzu fremd aussehen. Dadurch, daß man einen Übersetzungslauf benötigt, hat man natürlich kein WYSIWYG wie bei den gängigen Textverarbeitungen (es sei denn, man benutzt lyx, welches nah am WYSIWYG ist), was aber kaum ein Nachteil ist, wenn man zwischen Editor, Compiler und Viewer hin- und herschalten kann.
Vorteile liegen hauptsächlich bei der Standardisierung, d.h. die von LaTeX vorgegebenen Dokumentenklassen können in vielen Fällen einfach übernommen werden, so daß man sich keine Sorgen machen muß, ob das generelle Layout auch das richtige ist. Viele Dinge wie z.B. das Generieren einer Titelseite, das Inhaltsverzeichnis, Kopfzeilen mit Kapitelnamen auf linken und Abschnittsnamen auf rechten Seiten, Fußnoten und und und stehen durch einfachste Kommandos zur Verfügung (für das Inhaltsverzeichnis muß man nur '\tableofcontents' eintippen, das war's!). Auch wenn später noch Kapitel oder Unterabschnitte oder Textstellen eingefügt werden, das Inhaltsverzeichnis, Querverweise, Literaturzitate, Fuß- und Endnoten werden ganz automatisch richtig verwaltet. Daneben hat LaTeX noch Ligaturen zu bieten und optimiert die Wortabstände im Blocksatz (default) gleich für die gesamten Abschnitte und nicht wie üblich nur für eine Zeile, so daß ein angenehmes Lesebild entsteht.
Am wichtigsten für den Studenten wird aber der Mathematikmodus sein, der keine Wünsche offen läßt. Gleichungssysteme sind kein Problem, automatische Numerierung und Referenzierung bleiben auch dann korrekt, wenn weitere Gleichungen eingefügt oder von einem Kapitel ins nächste verschoben werden. Vektoren, Matrizen, Integrale, mehrfache Indizes, Überstreichungen oder Überklammerungen, Diagramme und Graphen sind recht problemlos zu realisieren. Vor allem dann, wenn bestimmte Strukturen recht häufig auftauchen, vereinfacht sich die Arbeit ungemein. Man muß zwar die Befehle kennen, wodurch das erste Dokument vielleicht länger dauert als mit einer normalen Textverarbeitung, aber nachher geht einem ein technisches Dokument viel einfacher von der Hand.
In der Praxis sieht es so aus, daß Linux nicht ohne LaTeX vorstellbar ist, es gehört zu jeder Distribution dazu. Ebenso steht an jeder Uni eine LaTeX Installation zur Verfügung. Unter Windows sieht das schon etwas anders aus, nach langer Suche habe ich zwei Installationen gefunden: emTeX und MiKTeX. Ersteres basiert noch auf Dos und ist somit für die meisten aus dem Win9x Zeitalter unbrauchbar (ich hatte große Schwierigkeiten, emTeX ans laufen zu kriegen, obwohl ich bis vor knapp einem halben Jahr noch selbst mit Dos gearbeitet hatte; aber was braucht man bei Win9x denn noch groß in der Autoexec.bat oder Config.sys?!). MiKTeX bietet eine Setup-Routine, wie man es von Windows gewohnt ist, und ist somit problemlos in Betrieb zu nehmen. Auch ein Viewer für die DVI-Dateien (den Output von LaTeX, der mittels dvips (sowohl unter Dos/Win als auch Linux) ganz einfach in Postscript konvertiert werden kann) ist dabei. Das ganze sind vor der Installation 18,7MB plus weitere 3,1MB für Ghostview/Ghostscript, wenn man auch Postscript-Files darstellen möchte. Es gibt inzwischen eine sehr große Anzahl von Paketen für LaTeX und viele sind bei MiKTeX (das ich selbst benutze) schon dabei, zwei für technische Belange extrem wichtige Pakete, Curves von Ian Maclaine-Cross und Vector von Nick Efford, fehlen leider. Aber ich habe hier ein Zip-File, welches alle dazugehörigen Dateien enthält: Makros für MiKTeX (30KB). Einfach z.B. in das \miktex\tex\latex\misc Verzeichnis kopieren und das Programm 'Refresh Filename Database' laufen lassen. Sollte ich noch mehr Makros finden, die bei MiKTeX nicht enthalten sind, so werde ich sie auch in das Archiv packen.
Zuletzt sei nochmal darauf hingewiesen, daß man auch hier nicht ohne Bücher auskommt, ohne Kenntnis der LaTeX-Befehle geht halt nix! Ich bin bisher sehr gut mit drei Büchern aus Sonderposten zu je unter 10DM gefahren, als da wären: A.Liebing "Erste Arbeiten mit TeX" (Prentice Hall), J.Kenneth Shultis "LaTeX Tips - Praktische Hinweise zur Erstellung technischer Dokumente" (Prentice Hall) und Karsten Günther (Hrsg.) "Mit LaTeX2e wissenschaftliche Arbeiten erstellen" (bhv Verlags Gmbh). Die ersten beiden sind zwar recht dünn und das Stichwortverzeichnis des letzteren läßt sehr zu wünschen übrig, aber in der Kombination komme ich gut damit zurecht.


Nun möchte ich noch eine Linkliste anführen, die weitere (und weitaus ausführlichere) Informationen sowie Downloads zugängig macht... Zuletzt habe ich eine ganze Reihe Linux-Adressen hinzugefügt, da ich selber vorher noch nicht den absoluten Überblick hatte.

Linux
Aachener Linux User Group stellvertretend für ca. 90 Linux User Groups im deutschsprachigen Raum
Gnu.org Homepage des GNU Projektes
KDE weitverbreiteter Windowmanager für Linux
Linux.de deutsche Linux Homepage
Linux.org internationale Linux Homepage
Linux Magazin Onlineangebot des deutschsprachigen Linux Magazines
Linux Supportline englischsprachige Seite mit vielen Angeboten
LinuxTag in Kaiserslautern größte Linux-Anwendermesse in Europa
Linux World Expo Homepage der Linux World Expo Messe
Python.org Python-Homepage (weitverbreitete Skriptsprache)
Redhat Ein Anbieter einer Distribution
S.u.S.E. Ein Anbieter einer Distribution (die ich einsetze)
SuSE ftp Mirror einer der vielen Mirror Sites, dieser steht in Aachen
LaTeX
LaTeX Homepage Die LaTeX Homepage
CTAN Großbritannien ftp des Comprehensive TeX Archive Network (CTAN)
CTAN USA
CTAN Deutschland
Dante eV Deutschsprachige Anwendervereinigung TeX eV
emTeX Homepage Offizielle emTeX Homepage
ftp /pub/pctex/emtex/ Download von emTeX an der Uni Karlsruhe (um die 20MB)
MiKTeX Project Page Offizielle MiKTeX Homepage
Installation von MiKTeX Installationshinweise zu MiKTeX an der Uni Siegen


Ich weiß, daß einige Leute die Hände über dem Kopf zusammenschlagen werden weil meine Ausführungen oben doch recht oberflächlich sind. Wie gesagt, habe ich selbst erst vor kurzem mit Linux und LaTeX begonnen und kann demnach noch kein tieferes Wissen präsentieren. Mir geht es hauptsächlich darum, daß Leute, die sich zufällig auf meine Physik-Seite verirren, weil sie selbst mit dem Gedanken spielen, etwas in der Richtung zu studieren, früher als ich selbst "auf den richtigen Trichter" gebracht werden. Ich jedenfalls hätte mir bei diversen Praktikumsprotokollen und meiner Seminarausarbeitung viel Fummelei erspart, hätte ich nicht Word sondern LaTeX benutzt.


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